Pause

Leben als Mama, Persönliches

Momentan habe ich wieder das Gefühl das Leben zieht an mir vorbei. Ich nehme mir zu viel vor, was ich dann doch wieder nicht schaffe. Nicht weil ich keine Zeit dafür hätte, sondern einfach keine Lust. Oder zumindest keinen Antrieb. Das fängt schon morgens an, dass ich nicht aus dem Bett komme und endet hier Smarties mampfend vor dem Laptop, obwohl ich die eigentlich für den Kindergeburtstag am Sonntag gekauft hatte und sowieso eigentlich weniger Süßes essen wollte. Das Leben geht so seinen Gang, ich nehme alle Termine wahr, die anstehen, wir haben viel vor die nächsten Wochen, aber mein Kopf ist nicht da und mein Herz schon gar nicht. Seit Anfang Oktober steht mein Leben auf der Pause-Taste. Seit wir diesen gottverdammten zweiten Strich in unseren Händen hielten, die Panik ausbrach, sich in Freude verwandelte und die Zukunftsangst, die trotz allem blieb. Ging über in die Angst des Verlusts und das tagelange Gefühlschaos über das Wissen, dass diese Schwangerschaft nicht intakt ist und das ewig lange Warten auf das Ende gepaart mit der Hoffnung bis zum Schluss, bis hin zur OP in der letzten Woche von der ich glaubte, sie sei endlich wieder die Start-Taste. Irgendwie ein Neuanfang mit der Erkenntnis, dass wir noch nicht so weit sind. Ein Neuanfang mit der Erleichterung, dass mein Körper endlich wieder funktioniert (was er nicht tut, denn meine Ärztin ist noch nicht zufrieden). Ein Neuanfang mit dem Wissen, was wir erst noch alles erledigen wollen. Nur leider klemmt die Play-Taste. Die Pause-Taste lässt mich genau so wenig los, wie mein Körper diese Schwangerschaft, die keine war oder zumindest keine mehr ist. Die Trauer, die in Wellen über mich kommt und keine Worte findet, weil ich einen Hauch Erleichterung nicht leugnen kann und die Scham darüber. Und dann ist da dieser riesige Berg von Alltag, Bachelorarbeit und dem schlechten Gewissen, das mir jeden Tag von hinten ins Ohr flüstert, dass ich mich bewerben muss, während ich mich frage, wie ich einfach so weiter machen soll, als wär nichts gewesen.

Sonnenaufgang

Leben als Mama, Persönliches

Weißt du noch, als wir dachten die Welt ginge unter und dann war es die Sonne, die aufging? Wie der Sonnenstrahl durch diesen schmalen Türspalt schien von der Tür, die wir niemals geöffnet hätten? Durch diesen Türspalt zieht ein kalter Wind, der uns einnimmt, uns umhüllt. Doch was ist mit der Wärme des Sonnenstrahls, die dagegen kämpft? Siehst du das Licht, das uns den Weg beleuchtet? Vielleicht sollen wir gehen auf diesem hellen Sonnenstrahl, der unsere nackten Füße wärmt; gegen den Wind, durch die Tür, die dort offen steht. Geöffnet vom Leben, versperrt von einem Berg aus Angst und Sorgen, doch dahinter die Sonne, die wir so lieben. Was ist, wenn wir um den Berg herumgehen, durch diese Tür und dann ist da nichts als Wärme und Liebe und Glück. Und dann machen wir die Tür hinter uns zu, damit der Wind nicht mehr so kalt weht und wir die Schreie der Angst und das Seufzen der Sorgen nicht mehr hören können. Und dann stehen wir in der Sonnenflut mit der Wärme im Gesicht und uns an den Händen und dann sagen wir: Weißt du noch, als wir dachten die Welt ging unter und dann war es die Sonne, die aufging? Die Sonne, die uns den Weg zeigte, den wir suchten und hinter dieser Tür niemals erwarteten. Und dann lauschen wir deinem Herzschlag und spüren die Sonne daraus scheinen.

Mach das mal anders

Leben als Mama, Persönliches

Ich sitze hier mit meinen Schokoladenpfannkuchen, wie jeden morgen, nur etwas später, und weiß nichts mit mir anzufangen. Gerade habe ich endlich die Waschmaschine angestellt, die ich eigentlich heute Morgen schon anmachen wollte, damit sie jetzt fertig ist. Ich hab’s vergessen. Das passt gut, denn ich habe auch vergessen aufzustehen. Die Kleine krabbelt in mein Bett, ich bin tot müde, krame nach meinem Wecker: 7:25Uhr. Ohje. Es ist spät, aber gestern war es auch spät. Zu spät für mich. Mein Freund hat noch frei und wir haben über unser Leben geredet. Die Sache mit dem Sinn und ob das jetzt alles ist und dieser ganze aufbauende Kram. Wir finden das kann nicht sein, wir wollen das anders. Die Kinder sind seit Montag wieder im Kindergarten, wir hatten drei Wochen frei. Seitdem sitze ich zu Hause und weiß nichts mit mir anzufangen. Sicher, ich könnte sollte und müsste mit meiner Bachelorarbeit anfangen. Ich muss mich um den Bafög-Antrag kümmern, ein Paket von der Post holen, die Küche und das Kinderzimmer aufräumen, Sport machen, die Welt retten, aber ich sitze hier und esse meinen dritten Schokoladenpfannkuchen obwohl nichts mehr rein passt und will eigentlich nur meine Koffer packen, die Kinder unter den Arm klemmen und mal für eine ganz lange Zeit den Alltag hinter mir lassen. Aber so einfach ist das leider nicht. Die Frage ist, ob es denn so schwer ist?!

Wir

Persönliches

Wenn mich jemand fragen würde, was genau ich an dir liebe, ich weiß nicht, ob mir auf Anhieb etwas einfallen würde. Es gab Zeiten in denen mir das zu schaffen machte, in denen ich mich fragte, ob es dann überhaupt Liebe sein kann, wenn mir tausend Dinge einfallen, die ich nicht mag, aber nichts, was ich liebe. Bis ich begriffen habe, dass das was ich liebe etwas viel größeres ist. Etwas, das nicht zu greifen oder mit Worten zu beschreiben ist. Die Verbindung zwischen uns war von Anfang an etwas besonderes, etwas tiefes, etwas vertrautes. Viel mehr als „Etwas“, das man an dem anderen liebt. Viel mehr als das, als wir in dem kleinen schwarzen Twingo auf das Wasser vor uns blickten und unsere Zukunft planten. Du hast mich angesehen, als sei ich das Schönste auf der Welt, obwohl wir beide wussten, dass ich nicht viel mehr war als ein schwangeres Monstrum, das jeden Moment zu platzen drohte. Du hast mich angesehen und mir versprochen bei mir zu bleiben, nach nur ein par Wochen. Noch blind und naiv, nicht ahnend, was auf uns zukommen würde, aber fest an uns glaubend. Jeder hat uns für verrückt erklärt, niemand hat uns geglaubt. Niemand hat dir geglaubt. Niemand hat mich verstanden, mich eingeschlossen. Aber das zwischen uns war schon immer etwas Großes, viel größer, als dass man es greifen oder mit Worten beschreiben könnte. Es ist nicht „Etwas“, das ich an dir liebe. Es ist das Gefühl. Das Gefühl, das du in mir auslöst. Alle Gefühle. Die Liebe, die Wut, der Hass, das Glück, das Lachen, die Trauer, die Freude. Alles. Du kannst jedes einzelne Gefühl in mir hervorrufen, du bist mein bester Freund und mein stärkster Feind. Du machst mich stärker, du forderst mich heraus, lässt mich wachsen – an und mit dir –, lässt mich lachen, lässt mich weinen, lässt mich schreien; du lässt mich sein. Sein so wie ich bin, weil es nicht „Etwas“ ist, das du an mir liebst. Es ist das Wir, das Gefühl. Das Gefühl zu Hause zu sein, wo immer wir sind. Das Gefühl zusammen unbesiegbar zu sein, etwas zu teilen, das niemand sonst versteht, sich zu lieben, selbst wenn man gerade nichts an dem anderen leiden kann. Das Gefühl von Liebe. Das Gefühl von Dankbarkeit, erfahren zu dürfen, was Liebe ist – für uns.

Lasst eure Kinder nicht im Stich

Persönliches

September 2009, der Sommer ist so gut wie vorbei. Er war wunderbar. Frei, sonnig und glücklich. Nach langer langer Zeit war da wieder ein langanhaltendes Glücksgefühl in meinem Bauch. Ein Ende der depressiven selbstverletzerischen Zeit meines anfänglichen Teenager-Daseins. Ich hatte mich da raus gekämpft, allein – und ich wollte leben, lachen, glücklich sein. Nur eine Sache stört; eine Sache, die ich nicht greifen kann, aber sie ist da. Das neue Schuljahr hat begonnen und ich bin schlagartig unglücklich. Irgendetwas stimmt hier nicht. Jetzt ist es September und ich sitze wie gelähmt auf meinem Schreibtischstuhl vor meinem uralten Röhrenbildschirm meines viel zu laut surrenden PCs aus der Urzeit, während die Abendsonne auf meine Füße scheint. Ich sitze da und fühle nichts. Ich weine nicht, ich sitze nur da. Ich rufe auf Rat (oder Anweisung) meines Vaters eine gute Freundin an, die direkt vorbei kommt. Ich soll darüber reden, sagt er. Aber ich will nicht reden. Was gibt es denn da zu reden? Was hab ICH denn schon zu sagen? Mama ist nicht da, Papa sitzt unten und weint und meine Schwester…keine Ahnung. Wir sind uns zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich nah. Aber ich weiß sie weint auch. Nur ich weine nicht, ich sitze da. Und alles kommt wieder hoch. Dieses Gefühl von damals, dieses Gefühl alleine zu sein, dieses Gefühl, dass niemand mich versteht. Der Kampf geht zwei Wochen, ein stiller Kampf. Meine Eltern streiten nicht, sie streiten nie. Nur deswegen sind wir jetzt da, wo wir sind.
Meine Mama kommt nach einigen Tagen nach Hause und will mit uns reden. Wir sitzen auf dem orangenen Sofa im Zimmer meiner Schwester. Was sie gesagt hat? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass sie gedanklich nicht bei uns war. So kalt, abwesend. Ich weiß, dass sie es nochmal versuchen wollen und ich weiß, dass mein Vater zwischendurch weg war. Geflohen zu Freunden, weil er es nicht mehr ausgehalten hat. Ich weiß noch, dass Mama ihn zurück geholt hat und er mit 22 Rosen nach Hause kam. Für jedes Jahr eine. Und ich weiß noch, dass drei Tage später die Rosen auf dem Komposthaufen lagen. Nur zwei, die hat er aufgehoben und mir und meiner Schwester eine geschenkt. Mama war weg. Der Kampf war vorbei. Die Beziehung war vorbei. Unsere Familie war vorbei.
Es ist Spätsommer, ein wirklich schöner Spätsommer. Ich bin viel mit meinem Papa unterwegs. Zu Zeiten in denen ich eigentlich in der Schule sein sollte. In die ich aber viel zu oft nicht gehe, weil ich einfach nicht mehr kann. Weil meine Schwester und mein Papa sich streiten und es in diesem Haus grau geworden ist. Eine Zeit in der ich oben in meinem Zimmer sitze und meinen Papa unten weinen höre, während It must have been Love oder Flugzeuge im Bauch von Herbert Grönemeyer auf voller Lautstärke läuft. Und ich kann nicht anders, als zu ihm zu gehen und ihn in den Arm zu nehmen. Er möchte, dass ich gehe, weil er sagt, ich sei nicht für ihn verantwortlich und er kriegt das schon hin. Das weiß ich und doch ertrage ich es nicht ihn so zu sehen. Das weiß ich und doch habe ich das Gefühl, dass es nur noch uns zwei gibt. Ich rede nicht viel, außer mit ihm. Mit meiner Mama sowieso nicht. Sie kommt und holt ihre Sachen aus dem Haus. Ihr neuer Freund hilft ihr beim ausräumen und einladen, ich sitze in meinem Zimmer und würde am liebsten nach unten rennen und ihn anschreien. Ich platze vor Wut und Verzweiflung und sage doch nichts. Nicht einmal tschüss. Ich sage ebenfalls nichts, als ich ihm das erste Mal vor der neuen Wohnung meiner Mutter begegne und er mir die Hand hinstreckt. Ich gehe wortlos an ihm vorbei. Ich sitze in der noch leeren Wohnung und fühle mich fremd. Mein Papa macht sich Sorgen um mich und meldet mich bei einer Jugendpsychologin an. Sie ist wirklich gut, ich mag sie gern. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie wirklich tief in die Materie kommt, aber trotzdem hilft sie mir für eine gewisse Zeit. Sie hilft mir die Trennung ein Stück weit zu verarbeiten. Sie hilft mir, dass der nächste Sommer wieder schön werden kann. Sogar noch schöner, als der davor, denn jetzt ist da nichts mehr, das die Schönheit stört. Nichts Ungeklärtes. Die Sache ist klar. Sie ist nicht schön, aber klar. Ich weiß jetzt womit ich leben und arbeiten muss.
Mir ist es nicht bewusst, aber der Moment in dem ich stillschweigend auf meinem Schreibtischstuhl saß und nicht mehr wusste wo oben und unten ist, war der Moment in dem ich schlagartig erwachsen wurde. Nicht weil ich es wollte, sondern weil ich es musste. Weil ich von jetzt an viel allein war, weil ich von jetzt an nicht mehr nur die Tochter meiner Eltern war, sondern auch die Partnerin meines Papas. Wir waren jetzt nur noch zu zweit und wir waren ein Team. Nicht mehr in dem grauen Haus, das nach einer Familie schreit, die es nicht mehr gibt. Wir saßen jetzt in unserer neuen Küche mit sonnengelben Wänden, die mich bis zu dem Punkt begleiten sollte, an dem ich meine eigene Familie gründete. Die sonnengelbe Küche in der ich meinem Papa erzählte, dass er Opa wird und er unabhängig der ungünstigen Gegebenheiten in Freudentränen ausbrach. Die sonnengelbe Küche, die mein letztes zu Hause ist. Ein zu Hause, dass ich nie wieder sehen werde, denn in dieser Wohnung wohnen jetzt Fremde.

Ich lasse das alles revue passieren und fühle mich zurück. Ich fühle das alles hier noch einmal. Neun Jahre später wieder auf meinem Schreibtischstuhl, diesmal vor meinem Laptop mit Flachbildschirm, der keinen Mucks von sich gibt. Aber das Gefühl ist noch das gleiche.

Ich sehe mich heute um in meiner Umwelt und sehe so viele kleine Kinder mit Eltern, die nicht mehr zusammen sind und ich frage mich: Wie ertragen die das? Ich war fünfzehn Jahre alt, als meine Mutter uns verließ. Ich war alt genug um die Dinge zu verstehen, ich war in der Lage zu kommunizieren. Und obwohl ich theoretisch dazu in der Lage war, war ich es doch auch nicht. Ich fand keine Worte für dieses Gefühl und ich finde sie bis heute nicht. Wie geht es bitte kleinen Kindern damit? Wie soll ein vierjähriges Kind das verstehen, seine Gefühle in Worte packen, den Schmerz loswerden? Ich bin froh, wenn ich aus meiner Tochter eine glaubwürdige Geschichte über das heutige Mittagessen im Kindergarten herausbekomme. Ihre Gefühle? Keine Chance. Ich sehe all diese Kinder, die damit aufwachsen müssen, nur weil Mama und Papa aufgegeben haben, weil es gerade mal nicht so lief oder weil die hübsche Sekretärin heute irgendwie besser aussah, als die gestresste Frau zu Hause. All die Kinder, die sich an neue Partner gewöhnen müssen, die dann vielleicht nach ein zwei Jahren auch wieder gehen. All die Kinder, die immer auf der Reise sind, weil sie heute hier und morgen dort zu Hause sind. All die Kinder für die das ganz normal ist und die gar nicht wissen, was das mit ihnen gemacht hat und was ihnen eigentlich fehlt. Ich weiß es, denn ich weiß, wie es vorher war. Und nur weil Kinder anpassungsfähig sind, heißt das nicht, dass es sie nicht belastet. Eltern sind die Basis; die Familie ist der geschützte Raum in dem Kinder sich frei entfalten können. Wie soll es ihnen schon gehen, wenn man ihnen all ihre Sicherheit nimmt? Meine Tochter wurde damit geboren, dass ihr Vater sich von ihr abgewandt hat. Gleichzeitig wurde sie geboren in Anwesenheit eines Mannes, den sie heute Papa nennt. Sie hat Mama und Papa an einem Fleck und doch merkt man selbst bei ihr, die es nicht anders kennt, die ihren Papa ganz abgöttisch liebt, dass das Band zwischen uns stärker ist und dass sie weniger Urvertrauen besitzt, als ihre kleine Schwester das tut.
Gefühlt battlen die Eltern sich darum, wer die beste Erziehungsmethode, das größte Kinderzimmer und den einen freien Platz im Kinderturnen ergattert hat, während sie zu Hause sitzen und ihren Partner nicht mehr kennen. Die Kunst liegt darin den Mittelweg zu finden. Kinder sind wichtig und nehmen viel von uns ein, aber sie sind nicht alles. Und eine Beziehung verändert sich mit Kindern, darüber braucht niemand diskutieren. Aber eine harmonische Beziehung ist auch eine harmonische Familie und das ist alles, was ein Kind braucht. Wenn ich mit meinen Kindern lachend auf dem Fußboden toben kann, was brauchen wir da noch?

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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Persönliches, Sonstiges

Die Kinder haben lange geschlafen. Das Frühstück im Kindergarten schaffen wir sowieso nicht mehr, also backe ich Brötchen auf. Da ich mir gestern Abend vorgenommen habe direkt am Morgen laufen zu gehen, brauche ich jetzt erstmal Energie. Ich quäle mir ein Brötchen rein und hoffe, dass das für meinen Lauf reicht. Ich bringe die Kinder in den Kindergarten und setze um, was ich mir vorgenommen habe.
Nachdem ich die Brücke über den Fluss überquert habe, trotte ich brav auf die linke Seite, denn jeder weiß: Wo kein Gehweg ist, da geh ich links. Da kommen die Autos mir entgegen. Und während ich so um eine scharfe schwer einsehbare Linkskurve jogge, frage ich mich, ob dieses Lied auch für solche Situationen gilt oder rein auf gerade Strecken bezogen ist. Denn wenn mir jetzt ein Auto entgegen käme, wäre das nicht so witzig. Es kommt aber keins und ich laufe dankbar auf den nächstgelegenen Fußweg. Ich laufe und laufe und laufe. 10 Kilometer sind das Ziel. So jetzt, müssten mindestens 4km rum sein. WAS? Erst 2,63km. Ich kack ab. Also Kopf ausschalten und einfach laufen. Ich drehe einen Schlenker um nicht einfach nur blöd gerade aus zu laufen. Dann kann ich eine Runde laufen, das ist sowieso besser als umdrehen – denke ich. Als ich wieder auf der Hauptstraße rauskomme bin ich erst bei 5km. Da ich beim Kindergarten losgelaufen bin, reicht der Rückweg nicht um die zehn voll zu machen. Ich biege also wieder nach links ab und laufe weiter. Und laufe und laufe und finde keinen guten Punkt zum umdrehen. Erst das „Privatweg“-Schild gibt mir einen guten Grund. Jetzt bin ich bereits bei Kilometer 7 und habe mindestens noch 5km bis nach Hause. Es ist warm, ich trage eine kurze Hose und meine Oberschenkel beginnen brennend aneinander zu reiben. (Sorry, kein thigh gap) Aber hey, ich bin hier irgendwo in einem wunderschönen Wohngebiet, aber weit weg von zu Hause. Ich drehe also um und laufe gedankenverloren die Hauptstraße entlang zurück. Das Gröbste ist geschafft – denke ich. Dann lässt sich mein Kopf von meinem Körper verarschen, der ihm sagt: Läuft doch. Kilometer 9 und 10 waren doch super entspannt, lass uns die 15 voll machen. Alles klar, Kollege. 10km Check, 5km Run aktiviert. Jetzt gibt es kein zurück mehr, quitting ist not an option. Hahaha..ha. Oh Gott! Ich habe jetzt noch eine ganz gewöhnliche Laufstrecke vor mir, nachdem ich bereits seit über einer Stunde am laufen bin. Ich kann mich auf nichts mehr konzentrieren außer auf meinen erschöpften Körper, auf die brennende Sonne, meinen hechelnden Atem und die brennenden Oberschenkel, die bei Kilometer 12 bereits wieder aufgegeben haben sich zu beschweren. Sie werden ja sowieso nicht erhört. Ich denke so oft darüber nach abzubrechen, dass ich gar keine Zeit habe, es tatsächlich zu tun. Außerdem: ich muss irgendwie nach Hause kommen. Wenn ich jetzt stehen bleibe, werde ich merken wie Pudding meine Beine sind und komme heute nicht mehr zu Hause an. Und mein Erfolgserlebenis wäre auch dahin. Das hätte ich mir nach den 10km überlegen sollen, bevor ich den Schlenker durch den Park nahm. Da wären es nur noch zwei Kilometer bis nach Hause gewesen. Ich beiße mich durch. Meine Musik nervt mich, aber aus machen geht auch nicht. Ich verfluche jeden Raucher auf dem Weg und das Tierpark-Café aus dem es bereits nach Mittagessen duftet. Ich sehe die Kirche kurz vor unserer Wohnung und realisiere, der Weg reicht nicht um die Kilometer voll zu machen. Seit wann sind 5km so weit? Ich drehe einen extra Schlenker. Immer noch nicht. Ich laufe an unserer Straße vorbei. Fünf Autos weiter, dann drehe ich und biege in unsere Straße. Kurz vor der Wohnungstür kommt der erlösende Applaus meines Handys und ich sinke auf die Stufe vor der Haustür. Ich glühe und triefe und bin absolut Emotionslos. Ich hiefe mich die Treppe nach oben, kippe einen halben Liter Wasser auf einmal in mich hinein, lasse eiskaltes Wasser in die Wanne laufen und lege mich hinein. Je mehr sich mein Körper aklimatisiert und ich wieder atmen kann, umso mehr realisiere ich, dass ich gerade den ersten 15km Lauf meines Lebens gelaufen bin. Ich, die vor zwei Jahren nicht einmal eine Minute am Stück durchgehalten hat. Die Gewissheit, dass ich den Lauf in drei Wochen auf jeden Fall schaffen werde. Wie, steht nicht zur Debatte, nur dass es so ist. Auch wenn ich mir das derzeit absolut nicht vorstellen kann diesen Wahnsinn noch einmal zu durchleben. Was hab ich mir bloß dabei gedacht mich da anzumelden?
Die Endorphine machen sich im ganzen Körper breit. Zusammen mit der Erschöpfung. Ich versuche etwas zu essen, habe aber keinen Appetit. Ich sinke auf’s Sofa und bleibe hier die nächsten drei Stunden. Ich schlafe ein und habe Mühe und Not wieder aufzustehen, aber ich muss dringend essen, sonst überlebe ich diesen Tag nicht. Ich bin den Rest des Tages völlig k.o., schlafe in der Nacht 11 Stunden und kann am nächsten Tag kaum gehen. Aber dafür bin ich überglücklich!

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Ich wachse…

Persönliches, Studium

… über mich hinaus. Dieses Jahr ist ein Jahr in dem ich mir selbst viel gegenüber stehe. Das begann bereits Ende des letzten Jahres und hat mich schon ziemlich oft in unangenehme Momente und Zeiten gebracht. Zeiten der Selbstzweifel, Selbst- und Lebenskritik. Ich habe viele Dinge hinterfragt und mich damit in den Wahnsinn aber auch immer wieder Stück für Stück vorwärts und zurück zu mir selbst getrieben. Jedenfalls beschloss ich vor einiger Zeit, dass ich etwas ändern müsse und zwar an mir. Zum einen, weil ich mit einigen Eigenschaften meiner selbst nicht im reinen bin, zum anderen, um mich weiter zu entwickeln. Ich neige dazu mich zu verstecken, wenn ich vor etwas Angst habe. Etwas lange hinaus zu schieben oder einfach gar nicht erst zu machen. Das Problem ist, dass diese Dinge dann niemals einen Haken dran bekommen sondern ewig weiter im Kopf umherschwirren, als leise Stimme, die einem immer wieder einflüstert: Du hast versagt.

Ich bin schon viele kleine Schritte gegangen, allein damit, dass ich mich mit meinen Ängsten auseinander gesetzt habe. Gestern war aber ein besonders großer Schritt für mich und die nächsten beiden Jahre. Ich entschied mich mit meinen 24 Jahren noch einmal für eine feste Zahnspange. Meine Eltern waren damals mit mir bei einem Kieferorthopäden, der der Meinung war ich bräuchte keine Spange. Seither litt ich stark unter meinen schiefen Zähnen und mochte mich nie wirklich leiden, wenn ich lachte. Bilder auf denen ich von Herzen lachte fand ich absolut furchtbar und ließ es daher lieber. Durch meinen Freund habe ich gelernt wieder mehr zu lachen und mich mit anderen Augen zu sehen. Nichtsdestotrotz störte es mich insgeheim immer. Und wieder war es mein Freund, der mir einen Anschubs gab diesen Schritt zu gehen. Zugegeben, es war kein wirklich schöner, da dieses Thema im Streit aufkam und nicht gerade feinfühlig verpackt war, aber die Wahrheit tut bekanntlich weh und es brachte mich zum grübeln. Also entschied ich mich das durchzuziehen: Wenn nicht jetzt, wann dann? 
Ich sitze nun also hier mit schmerzenden Zähnen, einem wieder größer werdenden Mangel an Selbstwertgefühl – da das Ding alles andere als hübsch ist -, aber mit dem guten Gefühl einen richtigen und wichtigen Schritt gegangen zu sein. Zukunftsinvestition nennt mein Liebster das so schön. Und was sind schon eineinhalb Jahre gegen die 50 – 60, die ich noch vor mir habe?
Mir steht es nun allerdings bevor mit diesen Tonnen an Metall im Mund mehrere mündliche Prüfungsleistungen zu erbringen und das in nicht all zu weiter Zukunft. Damit sind wir übrigens auch schon bei dem zweiten Punkt der Selbstkonfrontation, denn ich hasse nichts mehr, als mich vor anderen Menschen zu präsentieren und zu behaupten. Dennoch habe ich mich bereit erklärt in diesem Semester freiwillig ein Referat vor rund 80 Leuten in einem riesigen Hörsaal zu halten. Warum? Zum einen, weil ich so den Vorteil habe mein Hausarbeitsthema nicht erst am Ende des Semesters zu erfahren (und mir damit die Anwesenheit schenken kann) und zum anderen um mich selbst herauszufordern. Ich werde es schließlich nie lernen, wenn ich es nicht mache. Und auch wenn ich weiß, dass es im Grunde nicht darauf ankommt, was die anderen denken und dass es ihnen höchstwahrscheinlich auch ziemlich wumpe sein wird, was ich da vorne veranstalte und mindestens die Hälfte nicht anwesend ist, weil niemand Lust auf Referate hat, zerbreche ich mir bereits jetzt den Kopf darüber, denn es ist mir nicht wirklich egal, was die anderen denken. Ich wünschte es wäre so.
Ich nähere mich langsam aber sicher dem Ende meines Studiums und zermatere mir natürlich den Kopf, was ich damit überhaupt anstellen will. Die immer wiederkehrende Frage, was mir diese Jahre eigentlich gebracht haben, denn wirklich lebenswichtige und für mich in der Praxis anwendbare Dinge, habe ich meines Erachtens nach nicht wirklich gelernt. Ich komme also nicht drum herum mich mit mir selbst auseinander zu setzen und darüber nachzudenken, was ich eigentlich will, wer ich bin und was ich eigentlich gut kann. Insbesondere bei letzterem hapert es in meiner Selbsteinschätzung enorm. Selbstreflexion tut weh und ist enorm anstrengend, aber ich hoffe und denke, dass mich das ein ganzes Stück vorwärts bringt.

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Danke!

Persönliches

Wer meinen vorletzten Blogeintrag aufmerksam gelesen hat, wird – in einem Nebensatz erwähnt – mitbekommen haben, dass wir vor kurzem eine enorme Nebenkostennachforderung erhalten haben. Wir haben nicht sonderlich viel Geld. Das hat mich bisher auch noch nie gestört – woher sollte das auch kommen. Wenn man aber in eine Situation gerät in der man in Existenznot gerät, dann lässt es sich einfach nicht mehr leugnen. Das ist wie ein Schatten, der immer bei dir ist. Manchmal ist er hinter dir und stört nicht weiter. Manchmal ist er neben dir und du siehst ihn immer aus dem Augenwinkel mit dir Schritt halten. Und manchmal, wenn alles Licht hinter dir ist, ist er direkt vor deinen Augen und wirst ihn einfach nicht los.
Außer du drehst dich um und blickst dem Licht wieder entgegen. Und ich bin froh, dass ich mich umdrehen kann und jede Menge Menschen hinter mir stehen sehe, die mich auffangen ohne dass ich sie danach fragen muss. Ob finanziell oder mental spielt dabei keine Rolle. Auch wenn es diesmal den ersten Punkt betrifft, ist mir dennoch bewusst geworden, wie gesegnet ich eigentlich bin.

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Danke an meine Eltern, die von Anfang an hinter mir standen, als ich sagte ich bekomme mein Baby.
Danke für die Tränen, die geflossen sind als ihr das erste Mal Oma und Opa wurdet und wenigstens für einen kurzen Moment wieder einen gemeinsamen Mittelpunkt hattet.
Danke, dass ihr eure Aufgabe als Großeltern, wenn auch so unterschiedlich, doch so wunderbar erfüllt.
Danke, dass ihr mich respektiert und all meine Entscheidungen akzeptiert auch wenn sie nicht euren entsprechen.
Danke, dass ihr mir immer unter die Arme greift, selbst wenn ich nicht danach frage (denn ihr wisst, dass ich das niemals tun würde)
Danke, dass ihr so viel Liebe zu geben habt.
Danke, dass eure Hand immer da ist.

Danke an meine Schwester, die für mich nicht nur meine große Schwester, sondern auch meine allerbeste Freundin ist.
Danke, dass du vor vier Jahren an meiner Seite standst und für mich mehr gelitten hast, als ich.
Danke, dass du mir immer zuhörst und versuchst mich zu verstehen auch wenn du es eigentlich nicht tust.
Danke, dass du die weite Reise zu uns so oft auf dich nimmst um bei uns zu sein.
Danke, dass du so eine wunderbare und liebevolle Tante bist.
Danke für all die tollen stundenlangen Gespräche.
Danke für all die Lachanfälle, die wir gemeinsam haben.
Danke, dass ich immer auf dich zählen kann.

Danke an meinen Freund, der mich damals trotz dickem Babybauch in sein Herz gelassen hat.
Danke, dass du bei beiden Geburten nicht von meiner Seite gewichen bist.
Danke, dass du so ein liebevoller Papa bist.
Danke, dass wir an einem Strang ziehen.
Danke, dass du mir den Rücken stärkst.
Danke, dass du mir immer wieder Mut machst, wenn ich mich selber kleiner mache als ich bin.
Danke für dein Vertrauen.
Danke, dass ich dir vertrauen kann.
Danke, dass wir all die schweren Zeiten bei aller Einsamkeit doch gemeinsam durchgestanden haben.
Danke, dass du für uns niemals aufgegeben und immer weiter gekämpft hast.
Danke für diese ehrliche und unbeschreiblich tiefe Liebe.

Ihr seid mein Licht, wenn der Schatten sich über mich legt.

Zwischen nassen Klamotten, fehlenden Büchern und einem See aus Milch

Leben als Mama, Persönliches, Studium

Manchmal gucke ich mir meine Kleine an und frage mich: Wie kann man nur so tollpatschig sein? Oder ist es Pech? (Sie ist die Fraktion, die sich Milch über den ganzen Pulli kippt, weil der Mund doch noch nicht so dicht am Glas war, wie erwartet. Die, die über ihre eigenen Füße stolpert, weil sie zu schnell sein will und die, die morgens aufwacht, weil sie sich den Kopf an der Bettkante gestoßen hat.) Dann fällt es mir wieder ein. Sie ist meine Tochter.
Die letzten beiden Tage beschreiben mich eigentlich ganz gut. Ich hatte mir gestern Morgen fest vorgenommen morgens die Wohnung sauber zu machen und dann in die Bib zu gehen. Spätestens um 10 Uhr wollte ich da sein. Ich stehe also wie jeden Morgen auf, gucke auf mein Handy: „Bitte nicht vor 10 Uhr saugen“ gesendet um 4.44Uhr. Haha. Eigentlich ja selber Schuld, aber gut, ich bin ja kein Unmensch. Zurück vom Kindergarten war ich auch erst um 8.45Uhr, Zeitplan passte also ohnehin nicht. Um nicht völlig aus der Planung zu fallen, habe ich mich entschieden das Saugen zu verschieben und mich auf den Weg in die Bib zu machen. Vorher musste ich aber noch eine viertel Stunde mein Vorhängeschloss suchen. Vergeblich übrigens. Ich bin trotzdem los. Ich komme an, packe meine Sachen aus und ein und begebe mich auf die Suche. Zumindest von einem Buch hatte ich mir die Signatur rausgesucht. Ich musste dann nur leider feststellen, dass es nicht in der Bibliothek steht in der ich mich gerade befinde. Gut, weiter geht die Suche nach den Zeitschriften. Nach oben. Drei Mal rum: „Ah Zeitschriften“. Regale voller Titelbilder verschiedener Zeitschriften mit entsprechenden Signaturen wo diese zu finden sind. Warum? frage ich mich. Nagut, da war ich zwar gerade erst, aber wieder ab nach unten. Regal gefunden. Ich brauche die Nummer 65(1). 62,63,64,66,67 …. ach komm schon. Dann setze ich mich halt an den Rechner und suche da: Sie benötigen einen Zugang. Wie bekomme ich den? Mit einem Bibliotheksausweis. Dafür benötige ich meinen Perso, sowie natürlich meinen Studentenausweis. Fuck, Portemonnaie liegt zu Hause. Fazit: ein Gang völlig umsonst.
Dafür wollte ich heute Morgen dann direkt hin und alles klären. Der Tag beginnt gut: Erst um sieben ertönt das verlässliche in motoner, aber doch fordernder Dauerschleife „MAAMAAA“. Ich gehe ins Bad und mache mich fertig, da kommt meine Große „Ooooh, du siehst aber schön aus. Das finde ich richtig schön, das möchte ich auch haben“ und streicht bewundernd über mein (neu erworbenes) Oberteil. Aaaaw danke mein Schatz. Wir gehen los zum Kindergarten. Das erste Mal seit drei Tagen ohne Regenjacke, weil die gesamten drei Tage nicht ein Tropfen vom Himmel kam. Ich gehe also raus (in meiner Stoffjacke. Warm, aber das war’s auch), zwei Minuten später: Platzregen. Den ganzen Weg zur Bib dann übrigens so wundervoll feiner Sprühregen, der einen so ganz klammheimlich von Kopf bis Fuß nass macht und mühelos durch meine ‚Nicht-Regenjacke‘ auf meine Haut gelangte . Aber ich wollte meine Motivation nicht aufgeben. Ich bin also in der Bib (diesmal sogar mit Vorhängeschloss) und möchte mir nach drei Jahren Studenten-Dasein auch endlich mal einen Bibliotheksausweis zulegen. (Möchte ist übertrieben, ich habe keine andere Wahl) „Tut mir Leid, der Studierendenausweis ist abgelaufen, so kann ich Ihnen keinen Bibliotheksausweis ausschreiben. Da müssten Sie jetzt nach Hause und den aktuellen holen“. Bitte?!
Das Ende der Geschichte: ich habe einen Ausweis, nur keinen für Studenten, das muss ich nachholen. Aber ich konnte wenigstens für heute die Rechner nutzen und mir all die super tollen Texte runterladen, die uns unsere supermotivierte Dozentin aufgedrückt hat. Geforderte Vor- und Nachbereitungszeit von Montag auf Dienstag 2h. Haha ja genau, seh ich so aus?! Aber man will ja nicht gleich am Semesteranfang schon in Lethargie verfallen, dafür habe ich noch drei Monate Zeit.

Ich gehöre übrigens auch zu den Personen, die durch einen Raum gehen können in denen genau ein Gegenstand steht und man kann sich sicher sein, dass ich genau gegen diesen einen Gegenstand laufen würde. Ebenso verhält es sich mit Türklinken und Kleidungsstücken. Und wenn ich fünf Sachen gleichzeitig trage, ist es mit Sicherheit der zerbrechlichste Gegenstand, der mir runterfällt. Und ich bin die mit der Tochter, die sich im Kindergarten morgens heimlich in die Cafeteria schleicht während ich ihre Schwester ausziehe und sich fünf Minuten lang ein Glas Milch eingießt und dabei den ganzen Raum unter Wasser (bzw Milch) setzt. Ja das bin ich, das ist meine.

Ich neige manchmal dazu recht zynische Äußerungen über möglicherweise geschehende Dinge zu machen. Man könnte meinen das sei pessimistisch, ich würde eher sagen das ist realistisch. So hört mein Freund auch desöfteren Sätze von mir à la „Ach, das machst du doch eh wieder nicht“. Er meint dann ich verbreite negative Schwingungen. Ich würde das eher Erfahrung nennen, aber das liegt sicher im Auge des Betrachters. So kann man sein Verhalten natürlich leicht entschuldigen: „Das war nur, weil du mir schon den Floh ins Ohr gesetzt hast“. Achja richtig, ‚tschuldigung. Das hat nichts damit zutun, dass das immer so läuft. Das lag an dem Floh, der sich in meiner Äußerung versteckt hat. Was macht der da eigentlich? Eigentlich sollte an seine Stelle doch das dezente Schild mit dem „Beweis mir das Gegenteil“– Aufdruck. Mein Fehler. Aber das ist eine andere Geschichte: Männer- und Frauenkommunikation oder die Problematiken des Zusammenlebens. Wäre sicher auch mal ein Blogeintrag wert. Merk ich mir.

Es ist vielleicht alles eine Sache der Betrachtungsweise. Aber das sag mir mal in der Situation selbst. Wie dem auch sei. Kurz nachdem ich mich von der Bib auf den Heimweg machte, hat es tatsächlich aufgehört zu regnen. Das kann nur ein gutes Zeichen sein. 🙂

Kind müsste man sein

Leben als Mama, Persönliches

Manchmal wäre ich gern wieder klein. Sorgenfrei. Warum wollen Kinder eigentlich immer groß sein? Es gibt doch nichts besseres als Kind zu sein. Früh schlafen gehen können ohne schlechtes Gewissen. Morgens früh aufwachen und ausgeschlafen sein. Ein Kühlschrank, der sich von alleine füllt. Das Essen, das sich essfertig vor deiner Nase auf den Tisch stellt. Den ganzen Tag spielen. Das Kribbeln im Bauch vor dem Geburtstag. Die Aufregung jeden Morgen vor dem Adventskalender. Schokolade an Ostern, die unerklärlicherweise im Garten wächst. Immer jemand, der für deine Beschäftigung sorgt. Immer jemand, der dein Aua wegpustet. Immer jemand da zu dem man nachts ins warme Bett krabbeln kann, wenn man schlecht träumt. Keine Gedanken darüber machen, wie man aussieht, was man anzieht, wie das was ich tue nach außen aussieht. Ich mag das pinke Tshirt mit dem grünen Frosch, ich mag die gelb-orange gestreifte Leggings, ich mag die neongrünen Socken – kein Problem, zieh ich an. Einfach machen. Frei sein, noch nicht so eingefahren im Denken. Einfach man selbst sein und dafür abgöttisch geliebt zu werden. Meistens jedenfalls.

Und trotzdem will man als Kind nichts mehr als groß zu sein. Wir können also gar nichts dafür, dass wir immer nur das sehen, was wir nicht haben. Das scheint angeboren zu sein. Ob nun die Puppe des anderen oder das Auto, die fünf Murmeln mehr oder die 100 Euro im Monat. Es ist egal was und wieviel wir haben, es wird immer jemanden geben, der mehr davon hat oder etwas, was wir nicht haben. Aber braucht man das?
Kinder brauchen Liebe, dann sind sie glücklich. Und wir? Wir auch.