Rebellische Mütter und unpolitische Töchter

Sonstiges, Studium

Meine Mutter war nicht rebellisch, ist sie noch immer nicht. Ich bin unpolitisch, das stimmt. Ich geh schon wählen, klar, aber nur damit ich mich danach auch beschweren darf. Typisch deutsch halt. Aber ich beschwer mich nicht. Mir geht’s ja gut, ich mein so verhältnismäßig kann ich mich echt nicht beklagen. Dieses Land ist nicht so verkehrt. Es hat seine Schwächen, aber das hat wohl jedes. Und wenn ich mich beschweren wollte, müsste ich erstmal wissen worüber und vor allem, ob das was mit der Politik zutun hat. Wie gesagt, unpolitisch. Im Grunde hat wohl alles irgendwie mit der Politik zutun, aber davon bekommt man ja nicht immer unbedingt was mit. Es sei denn, die Wahlen stehen an. Ob das jetzt an mir liegt oder an der Politik selbst vermag ich hier nicht festzulegen. Wie gesagt, unpolitisch.
Ich schreibe an meiner Bachelorarbeit. Ich dröhne mich zu mit der Geschichte der Frauenbewegung(en). Und ich denk mir ziemlich oft, ziemlich viel: die waren krass. So krass bin ich nicht. Ich sitze nur hier und weiß nicht worüber ich mich beschweren soll. Ich denke also mir geht es wohl ziemlich gut. Und ich denke, ich sollte wohl mal danke sagen, denn so lange ist das alles noch gar nicht her und so selbstverständlich ist das alles gar nicht und es ist meckern auf hohem Niveau, wenn man bedenkt, wo man (oder frau?) hergekommen ist. Ich mein alles braucht seine Zeit und der Mensch ist nicht gerade bekannt dafür im Kopf besonders schnell zu sein. Jedenfalls was Veränderung von Gewohnheiten betrifft. Da sind wir doch irgendwie alle gleich.
Meine Mutter war nicht rebellisch, ich bin unpolitisch.
Meine Töchter sind unpolitisch (besser ist das, sonst würde die Welt von Einhörnern und Feen regiert (hm, vielleicht doch nicht so verkehrt)) und ich rebellisch. Ich gehe nicht in Verbände, ich setze mich nicht lautstark für irgendwas ein. So krass wie die KämpferInnen für Frauenrechte bin ich nicht, kein bisschen eigentlich. Ich bin ein stiller Rebell, ich scheiß einfach drauf. Hilft keinem außer mir selbst. Aber manchmal reicht das ja auch schon (mir jedenfalls). Ich scheiß einfach drauf, ich mach’s einfach, wenn ich Bock drauf hab. Nur wem habe ich zu verdanken, dass ich das so einfach kann? Und hier schließt sich der Kreis. Danke an die Lauten, auch wenn ich lieber leise bin.

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