Wieviel ist genug?

Der letzte Tag der Quarantäne. Ich habe mich heute ehrlich bemüht die Große trotz akuter Unlust meinerseits in meinen Alltag einzubinden und ihr damit eine Beschäftigung zu bieten, denn ich weiß aus Erfahrung der letzten zwei Wochen sehr gut wie sie ist, wenn sie sich zu lange allein beschäftigen musste. Das hat gut geklappt, bis wir ihre Schwester vom Kindergarten abgeholt haben. Nach dem heute Morgen extra gebackenen Kuchen sind beide im Wohnzimmer so laut und überdreht geworden, dass ich ihnen vorschlug, dass sie doch malen und ein Hörbuch hören könnten, um die Situation etwas zu deeskalieren. Die Kleine wollte allein mit Papas Kopfhörern hören und tut das seitdem. Der Großen habe ich extra ein neues Hörspiel gekauft, welches sie bereits nach wenigen Minuten unbemannt laufen ließ.
Ich wollte die Zeit nutzen, um weiter an meinem Buch zu arbeiten und verzog mich ins Schlafzimmer. Joa, soweit der Plan
Es dauert nicht lange und die Große steht in der Tür „Mir ist soooo langweilig“. Ich mache ihr langweilige Mama-Vorschläge, sie nölt und motzt, wie doof alles immer ist und dass sie sich immer soooo langweilen muss, weil ihr ganzes Leben ja sooooo langweilig ist und alles andere immer soooo viel toller ist. Ich atme tief ein und aus und versuche das schlechte Gewissen, dass sie mir macht, nicht anzunehmen. Ich versuche sie turnen zu lassen und schreibe weiter. Sie balanciert auf der Bettkante, angelt mit meinem Yogaband Fische vom Schlafzimmerboden, schlägt 50 Purzelbäume, kommentiert jeden meiner Atemzüge und geht mir einfach nur hart auf die Nerven. Sofort nutzt das schlechte Gewissen, das bereits eng neben mir sitzt die Gelegenheit zuzuschlagen. Warum beschäftigst du dich nicht mit ihr? Machst du nicht genug? Bin ich nicht gut genug? Sollte ich mehr machen? Vielleicht. Vielleicht könnte ich manchmal mehr machen. Vielleicht kann sie aber auch einfach mal lernen mit Langeweile umzugehen. Vielleicht.
Mittlerweile sitze ich hier und schreibe diesen Blogpost, um nicht zu explodieren. Ich weiß nicht, wie oft ihr Hintern nach einem Purzelbaum schon auf meinen Füßen gelandet ist und ihre Füße meinen Laptop beinahe gecrasht haben. Die Kleine ist auch dazu gekommen, weil ihr Hörspiel zu Ende ist und sie ein neues will. Sie kriegt einen Wutanfall, weil die Internetverbindung hier nicht gut ist. Und ich atme. Dann hockt sie links von mir, die Große rechts, sie zicken sich über mich hinweg an, weil ja, warum halt nicht. 10 Sekunden Beschäftigung. Und ich atme, tief ein und großzügig aus. Und alles, was ich will ist allein sein. Und das schlechte Gewissen nagt sich von hinten in meinen Nacken.
Vielleicht könnte ich mehr machen, vielleicht ist es nicht genug, vielleicht mache ich auch immer so viel, dass es sofort auffällt wenn nicht, vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken, vielleicht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich atme, ich atme tief ein und aus, ich atme den Stress weg, aber das schlechte Gewissen bleibt.

Grundschulchroniken: Woche 10

Es ist Montag und passend zum Schulstart hat sie direkt wieder zwei mal ins Bett gemacht, unter anderem um 5.30Uhr in meins. Yey. Sie ist dann jedenfalls wach und kann nicht mehr schlafen. Sie will dann zwar aufstehen und nervt mich solange bis ich nachgebe, aber Lust auf Schule hat sie trotzdem nicht. Ich hoffe das wird irgendwann besser.

Dienstag wecke ich sie fünf Minuten zu spät, obwohl ich sogar pünktlich aufgestanden bin. Aber ich trödele zu sehr beim Frühstück machen und will meine Ruhe dabei nicht aufgeben. Genau diese fünf Minuten ist sie dann am Ende auch zu spät dran. Shame on me. Sie ist zwar noch müde und verschlafen, freut sich aber schon auf ihren Bastelnachmittag nach der Schule, sodass es heute kein Genöle gibt.

Mittwochmorgen bekomme ich ein ganz besonderes Geschenk. Jap, langweilig wird es mit Kindern nie.
Am Abend bekommen wir dann die erfreuliche Nachricht, dass alle Hortkinder ab sofort 14 Tage in Quarantäne müssen. Ok gut, wir planen dann mal um. So schwer meine derzeitige Situation für mich persönlich momentan auch ist, so dankbar bin ich doch auch, dass wir in diesen Zeiten doch recht flexibel sein können und immer sehr problemlos umdenken können. Im Frühjahr, so wie auch jetzt.

In der Nacht zu Donnerstag wacht sie auf, weil naja, wie immer: Bett nass. (Wir haben eine neue Routine wie ihr merkt, verschlafen ist out, dafür jeden Tag waschen. Weiß jetzt nicht, was besser ist.) Jedenfalls liegt sie nachts in meinem Bett und fragt mich, was ich ihr zu Essen in die Brotdose gepackt habe. Genau der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken. „Nichts, du gehst morgen nicht zur Schule. Corona.“ murmele ich verpennt und nicht gewillt mich weiter zu unterhalten. Interessiert sie nicht, sie ist sofort hellwach und hellauf begeistert. Versteh ich irgendwie. Sie lebt meinen Kindheitstraum: morgens aufwachen und auf einmal schulfrei haben. Geil. Als sie erfährt, dass sie bis zu ihrem Testergebnis jetzt aber nirgendwo mehr hin darf findet sie es doch nicht mehr sooo geil… (Ich will ja nicht spoilern, aber an Tag 5 ihrer Quarantäne liegt sie bereits heulend im Bett, weil sie sich ausgeschlossen fühlt, „nur weil ein Kind in der 2. Klasse Corona hat“. Versteh ich. Sie versteht nicht, warum sie trotz negativem Test nicht raus darf. Ich auch nicht, ich mein wenigstens spazieren, komm schon.) Homeschooling klappt heute semigeil, ich bin noch nicht drauf eingestellt und arbeiten muss ich auch. Wir schaffen also quasi nix.

Am Freitag lasse ich die Kleine auch lieber zu Hause, sicher ist sicher bis das negative Ergebnis kommt, welches wir heute testen lassen. Aber auch zu diesem Tag habe ich schon einen extra Beitrag. Will mich ja nicht wiederholen. Und Good vibes sind auch was anderes, das reicht ja einmal. Aber die nächste Woche wird besser, ehrlich.

Homeschooling Tag 1 – erschießt mich

Ich kann ausschlafen. Also, eigentlich nicht, aber es ist nicht der Wecker, der mich um 6.30Uhr weckt, sondern eine Patschehand in meinem Gesicht und die Worte „Ach da bist du.“ Wusch, klebt eine weiche warme Wange an meiner. Wir verknoten uns in einander und dösen noch etwas weiter. Gott, ich liebe das. Die Große kommt kurz rüber, will ein Hörspiel hören. Als ich eine Stunde später im Bad bin, werde ich etwas stutzig. Es ist ruhig, sehr ruhig, obwohl jetzt beide Kinder vereint im Kinderzimmer sind. Ob ich das Handy nicht wieder gesperrt habe? Nope, habe ich nicht. Die Große hängt seit eineinhalb Stunden am Handy und ist entsprechend emotional im A. Wir müssen los zum Massentest in der Schule und sie kriegt wegen jedem Pups einen Wutanfall. Meine gute Laune ist dahin. Was ich ihr auch sage. Immerhin entschuldigt sie sich. Die frische Luft tut uns gut, wenngleich wir auch eine dreiviertel Stunde in der Warteschlange vor der Schule stehen müssen und mir trotz Winterjacke eiskalt ist und sie keine Sekunde still steht. Also ehrlich, keine Sekunde. Sie rennt um mich rum, wie diese Hummeln an Silvester, macht Purzelbaum an den Fahrradständern und Radschlag zwischen den Wartenden. Mindestabstand: läuft.

Als wir endlich durch sind, machen wir uns auf den Heimweg, um endlich zu frühstücken. Als wir zu Hause angekommen sind stelle ich fest, dass jetzt die Kleine viel zu lange am Handy gedaddelt hat. Sie ist genau so durch, wie ihre Schwester zuvor. Yey. Fluch und Segen diese Medien. Als wir um elf endlich mit dem Frühstück durch sind, setzen wir uns an die Homeschooling-Aufgaben der Großen. Ich bin motiviert, bin doch so anti-Schule. Die Kleine darf mitmachen, denn sie steht ihrer Schwester zumindest im Verständnis nichts nach. Genau betrachtet ist sie ihr sogar voraus, wie ich bald feststellen darf. Nur die Lust fehlt, als es nicht so klappt – sie muss ja zum Glück noch nicht und geht bald spielen. Bei der Großen ist die Konzentration genau so wenig vorhanden. Ich kriege sehr bald innere Anfälle. Mein Tonfall wird mit jedem „Maaan, ich kann das nicht“ und geknabber an Stiften, Federtaschen und Fingernägeln bissiger. Ich will sie ja nicht beleidigen, aber sie stellt sich ehrlich blöd an. Und zwar nicht, weil sie es nicht versteht, sondern weil sie krampfhaft meine Aufmerksamkeit und mein „Mitgefühl“ sucht. Vergeblich, es macht mich viel mehr wahnsinnig. Ich sage ihr, dass sie nicht eine Stunde für eine Mathe-Seite brauchen kann, wenn sie noch vier vor sich hat. Plus Deutschaufgaben. Dass wir nicht zwei Wochen so weiter machen können, wenn sie mich nicht für voll nimmt und so tut, als könnte sie nichts. Ich weiß nicht wie oft ich heute den Satz „Du kannst das“ gesagt habe. Ausdrücklich, mehrfach, hintereinander. Und in meinem Kopf ertönt in Dauerschleife Dolores Umbridge: „Ich verlange Disziplin und Ordnung!“ Konzentration, nur einmal!

Als wir nach eineinhalb Stunden endlich mit der verdammten Matheseite und einer Leseübung incl. Heulkrampf (ihrerseits) fertig sind, mache ich die Schule für heute dicht. Sie will Lillifee spielen und bekommt einen Wutanfall, weil sie nicht meine Schminke darf. Sie heult, knallt die Türen und schimpft wütend vor sich hin. Ich bin durch, fertig mit den Nerven. Einmal ein one way Ticket bitte. Ehrlich, zwei Wochen darf dieses Kind jetzt nicht raus, nichtmal an die frische Luft. Die dreht nach nichtmal 48h schon völlig am Rad.

Ich fahre jetzt in der Tat weg, meine Schwester besuchen. Entspannen, weg hier, Reserven wieder auftanken und dann hoffentlich Montag mit neuer Energie in diesen Wahnsinn starten.

Kinder im Netz

Ich habe neulich einen Artikel gelesen über Pädophile im Netz. Soll Plattformen geben auf denen sie Bilder von Kindern „bewerten“ (u.a. vermute ich…). Auch einfach Bilder von Instagram weggesnackt, von öffentlichen Profilen, die dann weiterverkauft werden und weiß der Geier was mitgemacht wird. Weil Urheberrecht gilt da nicht, ist ja eh alles illegal. Und ich frage mich: denkt da eigentlich niemand dran, wenn jede Familienaktivität öffentlich geteilt wird? Ich mein, ich mach das ja irgendwie auch, dieses Familienleben verkaufen, präsentieren undso. Ich schreib halt gern, andere fotografieren gern – ich versteh das schon, irgendwie. Aber auf meinen Beitrag holt sich halt keiner einen runter, schätze ich. Ich mein, möglich ist alles. Aber war dann halt wenigstens nicht das Gesicht meiner Kinder. Damit kann ich dann schon leben.

Muss ja jeder für sich selbst wissen. Oder für die Kinder, die das noch nicht entscheiden können. Aber drüber nachdenken sollte man mal, weil gruselig ist das schon. Und ekelhaft auch.

Mal wieder so ein Post über die Schönheit des Morgens mit Kindern

Der Morgen geht weiter, wie der Abend aufgehört hat. Mein Wecker klingelt um 5.45Uhr. Höchstens eine Minute später ertönt ein lautstarkes „Mama!“ aus dem Kinderzimmer. Bei Kindern kann das Wort Mama ja vielseitig verwendet und betont werden. Da gibt es z.B. das ruhige und liebe „Maamaaa“ rufen, das schluchzende Jetzt-komm-doch-endlich-Mama oder auch das im Befehlston „MA-MAAA!“. (Nur ein par wenige Beispiele versteht sich.) Für den heutigen Morgen dürft ihr euch letzteres vorstellen. Immerhin wurde ich nicht davon geweckt, schön ist es trotzdem nicht. Als ich ins Kinderzimmer komme sind beide Betten nass. Ich bin genervt, ganz unpädagogisch gebe ich das auch preis. Ich mein, es ist nichtmal 6Uhr. Die Große bekommt Pipi in den Augen und sagt „Ich kann doch nichts dafür“ und geht schluchzend ins Bad. Pädagogik sechs, setzen. Ich gehe hinterher und entschuldige mich. Ist halt nur doof, weil es kein Sommer mehr ist und wir keine trockenen Decken mehr haben, wenn ich so oft waschen muss, blabla, tut mir Leid. Ist schon wieder vergessen. Auf einmal hat sie krampfartige Bauchschmerzen auf der linken Seite. Kann nicht mehr laufen. Panik überkommt mich, bitte nicht. Ich hasse Notaufnahmen. Aber links kann ja eigentlich nicht der Blinddarm sein, oder? Ich lege sie erstmal aufs Sofa mit Geschichte und Wärmflasche. Zehn Minuten später ertönt es bereits gut gelaunt wieder „Maamaaa, kannst du mir Stifte holen? “ Kein Blinddarm, nur mal so, weil: warum nicht?!

Es ist 7.10Uhr, die Große ist aus dem Haus, die Kleine hat schon Gummistiefel an, muss nur noch Zähne putzen. Was ist denn hier kaputt?! Sie hält Wort, was sie gestern Abend versprochen hat: „Ich beeil mich, versprochen! Ich will ja nicht, dass du zu spät zu deinem Termin kommst.“ Wir weinen nochmal kurz, dass es nicht mehr so ganz dunkel ist, als wir losgehen, frieren bei Windböen mit gefühlt 50km/h, ich baue ihr eine Höhle im Kindergarten, damit die Erzieher sie nicht finden (hihi) dann bin ich 7.42Uhr wieder zu Hause. Das nenn ich erfolgreich. Um mal etwas Optimismus walten zu lassen, würde ich sagen: da haben wir aus Scheiße Gold gemacht. Oder aus Pippi drei Waschmaschinen, die um 8.30Uhr bereits zum trocknen hängen. Für meine derzeitigen Verhältnisse würde ich das auf jeden Fall schon erfolgreich nennen.

Alltags-Frust

Ich bin frustriert, ich bin genervt. Ich bin immer müde und kann abends nicht schlafen, weil mein Kopf so sehr rauscht. Von einem Gedanken zum nächsten, umwoben von Sorgen. Geldsorgen in erster Linie. Die Joblage ist scheiße. Hier im Osten sowieso, 2020 Corona, der zweite Lockdown naht – von wegen man braucht n Studium für einen guten Job, mich will hier niemand. Überqualifiziert. Haha, als ob. Ich arbeite an meinem Traum Autorin zu werden, arbeite nebenbei um irgendwie über die Runden zu kommen. Ich arbeite an mir, um über meine Sorgen die Kindheit der Kinder nicht zu verpassen. Gerade lebt es sich nur so vor sich hin, aber gestern beim Abendbrot haben wir alle Tränen gelacht und das ist doch was zählt oder?

Ich bin frustriert, genervt, gestresst, resigniert. Ich weine, als mein Freund sagt ich soll lieber pragmatisch bleiben, ne größere Wohnung ist gerade nicht drin und uns geht’s doch ganz gut, die Lage ist gut, wir haben ein Dach über dem Kopf, ein Dach zum chillen und… Du hast ja recht. Wir reden lange, er baut mich wieder auf mit Worten, die eigentlich nicht in seinen Mund gehören, denn er hat gut reden mit seiner Lethargie, aber es hilft. Ich beende das Gespräch mit: „Scheiß drauf, morgen früh erstmal Krampfader-Termin.“ Und das ist halt auch Leben. Alltags-Gedöns der feinsten Sorte. Gute Nacht.

Zuckersüßes Wochenende

Ich werde wach geflüstert mit dem altbekannten Satz: „Mama? Darf ich was vom Handy hören?“… „Maaamaaa“ flüstert es lauter. Hgrmpfl. Nein, zu früh, Blaulicht, keine Lust, schlafen.
Ich bleibe noch etwas im Bett liegen bis die Kleine kommt und sich schluchzend beschwert, dass ihre Schwester alle Prinzenkekse aufgegessen hat. Da waren nur noch zwei und sie hat nur einen kleinen Haps abbekommen. Wer hat überhaupt gesagt, dass ihr Kekse vor dem Frühstück essen dürft? Ich pul mich dann also auch mal aus dem Bett und nutze den kostenlosen Babysitter Hörspiele, während ich duschen gehe. Da merke ich immer am meisten, dass ich noch ziemlich jung bin. Ich kenne die meisten Geschichten noch von früher und kann sie fast immer für die Dinge begeistern, die ich früher toll fand. Neulich kam die Kleine mit einem großen Stein auf einem Kissen an und sagte das sei ihre Hexenkugel. Dein Ernst? Genau dasselbe habe ich auch getan! Zwar nicht mit vier Jahren, sondern etwas später, aber trotzdem. Das ist n bisschen creepy. Ich bin wohl doch noch gar nicht so alt, wie ich mich immer fühle, wenn ich den halben Samstag in der Küche stehe und abends um halb neun denke, ich könnte dann jetzt eigentlich auch ins Bett gehen.
Wenn meine Mutter mit irgendwelchen Büchern oder Geschichten aus ihrer Kindheit ankam, waren die gefühlt aus einem anderen Jahrhundert. Ich mein, waren sie ja auch. Penibel betrachtet ja sogar aus einem anderen Jahrtausend. Aber penibel betrachtet bin ich ja auch aus dem letzten Jahrtausend, also zählt das nicht. Trotzdem interessant. Nächstes Ziel ist auf jeden Fall sie dazu zu bringen alle Harry Potter Bücher zu verschlingen und die Filme mit mir zu gucken. Also wenn sie etwas größer sind. Aber das mit dem Lesen kriegen wir in ein zwei Jahren bei beiden schonmal hin. Oah, ich freu mich!
Wie dem auch sei. Als ich so im Bad stehe und mich fertig mache, wundere ich mich, warum mein Makeup anders steht als sonst. Denke mir aber nichts dabei. Bis ich mir mein Puder raufmache und auf einmal aussehe, wie eine Tomate. Joa, da hat wohl jemand heute Morgen meinen Pinsel im Rouge gebadet, als ich sie „Hgrmpfl, zu früh, Blaulicht, nein“ vergrault habe. Ich betrachte meine Tochter etwas genauer. Sie glitztert im ganzen Gesicht. Man, das Kind fängt noch früher an, als ich damals. Und meine Mutter ist an mir schon verzweifelt, als ich mit 12 Jahren mit fetten Creolen-Ohrringen nach Hause gekommen bin. Wenn das so weiter geht, bin ich mit Ende 30 Oma bzw. Mitte 30, wenn sie mich weiterhin übertrumpft. (Mein Freund würde jetzt im Dreieck springen und ein entgeistertes AUF GAR KEINEN FALL hervorbringen, wenn ich diesen Gedankengang ihm gegenüber äußern würde. Für ihn die blanke Horrorvorstellung, dass die Kids genau so früh anfangen könnten, wie ich. :D)
Jedenfalls versuche ich mein Tomatengesicht wieder zu retten und noch etwas Makeup oben drauf zu klatschen, um meine Gesicht wieder zu neutralisieren. Klappt ganz gut, dennoch laufe ich den ganzen Tag doch mit einer sehr gesunden Gesichtsfarbe herum. Vielleicht sollte ich das öfter mal tun.
Zum Frühstück gibt’s Schokobrötchen, zum Mittag Joghurt, zum Kaffee backen wir Schoko-Igel-Kekse. Denke, für den Zuckerschock heute habe ich gesorgt. Mama braucht das.
Am Sonntag werde ich ungewöhnlicherweise nicht mit der Hörspielfrage geweckt. Stattdessen flüstert nun die Kleine neben mir „Mama? Hörst du A. nicht?“ – „Nee.“ Hgrmpfl. „MAMA! Hörst du A. nicht?“ – „NEE!“. Da ertönt es von nebenan lautstark „MAAMAAA!“ Hallelujah. Wo sind wir denn hier? Zwei Jahre in der Zeit zurück gereist?! Komm her, wenn du was willst. Ich schlurfe aus dem Bett und stelle mich schon darauf ein Bettwäsche zu waschen. Statt eines Guten Morgen bringe ich nur ein verschlafenes „Na, Bett nass?“ hervor. (Nicht genervt, ganz sachlich, ehrlich!) – „Nee, ich hab erst ganz leise gerufen, aber du hast mich nicht gehört. Da musste ich so laut schreien… Ich wollte dich nur fragen, wie spät es ist.“ Ich gucke sie mit offenem Mund an. Deswegen schreist du so? Echt? „Sieben“ sage ich und gehe wieder ins Bett mit der Kleinen kuscheln. All zu lang bleibe ich heute aber nicht, trotz Sonntag, denn heute kommt meine Ma und holt die Große für die Herbstferien ab. Wir müssen also noch packen, ich muss die Wohnung noch so beschönigen, dass jemand, der unser Chaos nicht versteht, keinen Schock bekommt und so weiter und sofort. Wir frühstücken Pfannkuchen, dann verziehen sich die Kinder. Die Große ins Zimmer mit ihrem Hörspiel, die Kleine mit Kopfhörern und ihrem eigenen Hörspiel auf die Couch. Die Große macht ihre Püppi reisefertig, die Kleine malt. Und ich versuche wach zu werden. Dann packe ich den Koffer fertig. Inklusive Ferienhefter, den ich gestern in der Grundschulchronik vergessen habe zu erwähnen. Sie hat einen Hefter mitbekommen, den sie „freiwillig“ bearbeiten kann, wenn sie in den Ferien Langeweile hat. Mhmm, ja. Hab ihn ihr mal eingepackt. Langeweile und Oma-Besuch sind zwei Dinge, die sich grundsätzlich ausschließen, aber ok. Da sie am Freitag den Tränen nahe war, weil sie Angst hatte ihren Hefter vergessen zu haben, habe ich ihn ihr trotzdem mitgegeben. Sie glaubt nämlich sie muss den machen. Habe ihr mehrfach versichert, dass sie nicht MUSS, sondern KANN, wenn sie Zeit und Lust dazu hat. Ich finde das doof. Freiwillig heißt immer Bonuspunkte verspielt, wenn du’s nicht machst. Und das erzeugt genauso Druck. Ich mein wir wissen doch alle, wie Lehrer ticken. Naja, wie dem auch sei. Oma kommt, sie macht sich auf die Reise, vergisst quasi uns Tschüss zu sagen und weg ist sie. Leise ist die Wohnung. Die Kleine hört noch immer Hörspiele und versinkt die nächsten zwei Stunden im Kritzelbuch, das Oma ihr hier gelassen hat. Dann backen wir Muffins, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, sie die ganze Zeit sich selbst zu überlassen. Am Ende backe ich die Muffins aber alleine, weil sie das Rätselheft entdeckt, das Oma ebenfalls hier gelassen hat für sie. Dann sitzt sie da wieder alleine dran und rätselt. Ok, schätze das nennt sich dann Ferien mit nur einem Kind zu Hause.

Grundschulchroniken: Woche 9

Montag: Ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Angewohnheit des Verschlafens noch toppen kann. Oh doch, ich kann. Ich stelle mir nämlich einfach gar keinen Wecker mehr und hoffe, dass die Kinder rechtzeitig aufwachen. An einem Montag, in einer Schulwoche. Ich bin ja experimentierfreudig. Nicht. Natürlich habe ich es „nur“ vergessen, dennoch wache ich erst um 6.45 Uhr davon auf, dass die Kleine in mein Bett krabbelt und starre panisch auf die Uhr, als ich merke, dass es draußen nicht mehr duster ist. Zum Glück liegt die Große schon neben mir, sodass ich sie direkt aus dem Bett schmeißen kann. Etwas fies für die Kleine, die ich natürlich einfach nur so im Bett liegen lasse, obwohl sie eigentlich zum kuscheln kam. Aber wir kamen gestern erst spät heim, ich habe noch nicht einmal Essen für die Schule vorbereitet. Kann nur noch besser werden, ehrlich. Aber die Große macht ganz toll mit, geht direkt ins Bad, zieht sich an, kämmt die Haare, ich flechte ihre Zöpfe, während ich noch auf Toilette sitze und kippe ihr schnell den Rest Cornflakes in eine Schüssel. Gesund ist heute nicht. Und unglaublicherweise schafft sie es tatsächlich nur fünf Minuten zu spät loszugehen. Ich bin zwar noch im Schlafanzug, habe noch keine Haare gekämmt und hoffe, dass keiner jetzt die Treppe runterkommt, während ich sie an der Tür verabschiede, aber egal. In erster Linie geht es ja darum, dass sie nicht meinetwegen zu spät kommt. Was für ein Tag in die letzte Schulwoche vor den Ferien. Ich brauche die dringend.

Dienstag: Ich will ja niemanden langweilen, aber ich hab … na, ihr wisst schon. Heute immerhin nur bis 6.30Uhr, haha. Ha. Manno. Ich nerv mich ehrlich selber damit, aber ich krieg meinen Arsch einfach nicht ausm Bett.
Da ich mir eine neue Morgenroutine angewöhnt habe (das Verschlafen gehört nicht dazu!) in der ich mich erst fertig mache, wenn die Große zur Schule ist und die Kleine einfach erst um 9 in die Kita bringe, ist das zum Glück alles nicht mehr so stressig. Zumindest nicht mehr ganz so doll, wie vorher.
Am Nachmittag kommt sie mit einem kaputten Füller wieder. Mal wieder. Sanfte Federführung ist irgendwie noch nicht so drin. Ihre Blätter sehen immer aus, als würde sie die Buchstaben ins Papier rein kratzen, anstatt sie oben drauf zu schreiben. Sie bekommt jetzt einen Tintenroller, nützt ja nix. Ich hab sowieso erst in der 3. Klasse gelernt mit dem Füller zu schreiben. Und aus mir ist auch was geworden. Also zumindest kann ich schreiben. Inhalt vor Form.

Mittwoch: Sie kommt viel zu spät los. Also wirklich viel viel viel zu spät. Und – und das halten wir jetzt bitte alle fest: Es ist NICHT meine Schuld, denn ich habe – tadaaaam… nicht verschlafen! Hammer. Dass sie trotzdem zu spät loskommt ist natürlich ärgerlich. Liegt aber an einem Disput zwischen den liebsten Schwesterherzen. Gemeinsam im Bad sein geht nämlich gar nicht ohne sich die Augen auszukratzen. Jedenfalls an diesem Morgen. Außerdem hat sich Madame stolze ZWANZIG!! Minuten die Haare gekämmt. Joa, was sagt man dazu?! Nichts am Besten, außer „Du musst langsam aber mal los… Du musst los! … Du musst los – JETZT!“ Doofer Abschied dann immer.

Am Donnerstagmorgen mault sie mich an, weil sie keine Leggings hat, die sie anziehen kann, weil heute Sportunterricht ist. Strumpfhosen dauern zu lange beim anziehen. Du gehst seit neun Wochen zur Schule und das sagst du mir JETZT? Vor der letzten Sportstunde vor den Ferien – are you serious? Natürlich besitzt sie keine Leggings, wenn sie (bis dato) nur Strumpfhosen trägt. Muss dann wohl mal welche kaufen. Für Montag und Donnerstag.
Wenigsten fällt mir darauf siedend heiß ein, dass ich ihre Sportsachen noch wieder einpacken muss, die ich gewaschen habe. Da sie wie gesagt keine Leggings hat, hat sie nun doch eine Strumpfhose an. Das heißt wiederum, sie braucht noch Socken. Ich suche verzweifelt ein Paar in meinen drei noch nicht geordneten Wäschekörben und auf der überfüllten Wäscheleine. Auch davon hat sie nicht viele, weil naja… Strumpfhosen haben ja praktischerweise die Socken gleich unten dran. Spart das Suchen. Ich finde noch ein Paar und sie geht als Ausgleich zu gestern zehn Minuten früher aus dem Haus, als sie eigentlich muss. So lob ich mir das. Was auch immer sie dann so lange in der Schule noch treibt.

Freitag: Es ist soweit! Der letzte Schultag vor den Ferien beginnt und das ist auch die einzige Motivation, die sie morgens aus dem Bett bekommt. Ihr Wechsel zwischen „Ich stehe noch vor Mama auf“ und „Geh sterben, ich will schlafen“ ist wirklich faszinierend. Ich habe den Zusammenhang noch nicht geblickt, außer das letzteres grundsätzlich nicht auf’s Wochenende fällt. Aber das macht nicht mehr unbedingt was, da sie mich mittlerweile echt schlafen lässt. Mal abgesehen vom geflüsterten: „Maamaaa? Darf ich was hören?“ Aber egal, es ist Wochenende, es sind Ferien. Ab nächster Woche eine halbe Stunde länger schlafen. Also naja, eigentlich so wie immer. Nur diesmal halt ohne schlechtes Gewissen und dem ersten Gedanken am Morgen beginnend mit „Scheiße!“

Nörgel dich erfolgreich

Ich kriege gerade einen halben Koller. Ihr kennt die vorgeschlagenen Artikel bei der Google-Suche?
Da bekam ich gerade einen Artikel von bunte.de mit folgender Überschrift:

https://www.bunte.de/family/kinder-schule/kindererziehung/studie-beweist-mamas-noergelt-weiter-das-ist-naemlich-gut-fuer-eure-kinder.html

Äääähm. Dieser Titel triggert. Schätze, das ist Sinn der Sache. Vermittelt aber völlig die falsche Botschaft, wie ich finde.
In dem Artikel geht es darum, dass Kinder nörgelnder Eltern beruflich erfolgreicher sind. Bezieht sich auf zwei Studien aus Großbritannien und den USA. (Was meines Erachtens schonmal nicht mit Deutschland vergleichbar ist, aber darum geht’s ja nicht.) Was mich daran stört, ist die einseitige Beleuchtung. Beruflicher Erfolg, ok. Ich will hier keine Studien infrage stellen, wer bin ich denn. Aber ist das alles? Ich kann beruflich noch so erfolgreich sein, aber trotzdem totunglücklich.
Ich stelle mir hier die Frage, ob die Kinder beruflich erfolgreich waren, weil sie es selbst wollten, oder weil sie ihren Eltern genügen wollten? Darauf werde ich sicher keine Antwort bekommen, aber letzteres sollte durchaus auch in Betracht gezogen werden und nicht völlig unerwähnt bleiben. Denn das wäre meiner Meinung nach fatal. Wir sind nämlich nicht dafür da, um unsere Eltern stolz zu machen, ihren Erwartungen zu entsprechen und das zutun, was von uns erwartet wird. Ich sehe meine Aufgabe als Mutter darin meine Kinder dabei zu begleiten ihren eigenen Weg zu finden, ihre Stärken zu erkennen und ihre Schwächen zu akzeptieren und vielleicht zu verbessern, wenn es ihnen denn wichtig ist. (Nicht jede Schwäche muss behoben werden!) Ihnen Mut und Halt zu geben das zutun, was sie glücklich macht. Natürlich ist es schön, wenn sie später beruflich erfolgreich sind und sich finanziell keine Sorgen machen müssen. Aber was heißt eigentlich erfolgreich? Wie definiert man Erfolg? Ist glücklich sein kein Erfolg? Ist das nicht eigentlich das, wonach wir alle Streben? Es ist mir egal, was meine Kinder später beruflich machen, ob sie „erfolgreich“ sind oder nicht, solange sie glücklich mit dem sind, was sie tun. Mein Ziel ist es, dass meine Kinder Menschen sind und bleiben, die mit sich selbst im Reinen sind. Natürlich liegt das nicht allein in meiner Hand, die gesellschaftlichen Erwartungen von Außen werden hier schon genug Anteil daran haben, aber umso wichtiger finde ich es, dass wir als Eltern sie nicht auch noch unter Druck setzen, sondern sie so annehmen, wie sie sind. Kritik ja, nörgeln nein.

nörgeln (schwaches Verb)

Bedeutung:
a) mit nichts zufrieden sein und daher (ständig) mürrisch und kleinlich Kritik üben
b) an jemandem oder etwas griesgrämig und kleinlich Kritik üben

Synonyme:
beanstanden, sich beklagen, bemängeln, sich beschweren

Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/noergeln

Und that’s ist. Nörgeln ist keine konstruktive Kritik, sondern das Ergebnis von Jemandem, der nie zufrieden ist mit dem, was er bekommt. Für mich heißt nörgeln das Kind ständig zu kritisieren und zu verbessern und zwar auf eine „Von oben herab“-Art und Weise. Das mag meine persönliche Interpretation des Wortes sein und vielleicht auch nicht die Intention des Artikels oder der Original-Studien, die ich natürlich nicht gelesen habe. Aber Wortwahl ist nicht ganz unerheblich. Schon gar nicht im Titel und schon gar nicht, wenn man eine Botschaft übermitteln will.

Ich will den Artikel nicht gänzlich schlecht reden, denn er schließt immerhin mit folgenden Worten:

Und das ist meines Erachtens genau der springende Punkt. Der Titel suggeriert, dass ständiges Nörgeln die Lösung sei. So wie ich das interpretiere geht es aber nur darum, die Kinder auf ihrem Bildungsweg zu begleiten und nicht sich selbst zu überlassen. Das ist aber etwas völlig anderes und sowieso selbstverständlich.

Meine Grundsatzfrage in der Erziehung ist eigentlich immer: Möchte ich so behandelt werden? Kinder sind genau so Menschen, wie wir Erwachsene. Regeln, Richtlinien, Konsequenzen, klar. Die haben wir Großen auch. Aber ich will nicht von meinem Partner permanent kritisiert, verbessert und „angenörgelt“ werden. Ich möchte Hilfestellung, Tipps, wie ich es besser machen kann und jemand, der mich nicht mit Erwartungen überhäuft. Ich muss niemandem genügen außer mir selbst. Meine Kinder müssen niemandem gefallen, außer sich selbst, denn ich liebe sie so oder so.

Mood

Mein Fahrrad hat ne Acht. Das meines Freundes n Platten. Bringe die Kleine mit dem Auto zur Musikschule, parke dafür auf dem Edeka-Parkplatz. Ich denke sogar an die Parkuhr und stelle versehentlich auf 5 Uhr, nicht auf 15 Uhr. Komme 15 Minuten später wieder. Muss jetzt 24,90€ bezahlen. Besser kann man mein Leben momentan nicht beschreiben.