Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?

Sonstiges

5.30 Uhr Mein Wecker klingelt

5.32 Uhr Der Wecker meines Freundes klingelt doppelt so penetrant wie meiner. Er verkündet mir, dass er seine Morgenplanung geändert hat und dreht sich wieder um.

5.50 Uhr Ich stehe auf, setze Wasser auf und hüpfe, äh krieche unter die Dusche.

6.10 Uhr Ich kann mich in Ruhe fertig machen, wie schööön das ist (hatte ich vergessen).

6.25 Uhr Ich bereite meinem Freund das Essen für den Tag vor und mache den Kindern Frühstück.

6.35 Uhr treffen die Mädchen hintereinander trottend in der Küche ein und klammern sich beide je an eins meiner Beine.

6.40 Uhr Ich verfrachte die Kinder an den Frühstückstisch, während ich mich an einem Eiskaffee für meinen Liebsten versuche. „Ich mag keine Brombeeren, Mama“, „iiih magich Berdbeer“ Diese Wertschätzung meiner Mühe ist überragend. Morgen dann wieder nur Cornflakes.

7.00 Uhr anziehen aller Parteien. Heute tatsächlich völlig stressfrei.

7.25 Uhr Aufbruch in den Kindergarten. Ebenfalls halbwegs stressfrei. Soweit es mit einer Zweijährigen auf dem Laufrad an einer vielbefahrenen Straße im Berufsverkehr eben stressfrei sein kann.

7.50 Uhr Ich verlasse den Kindergarten und hole mir auf dem Weg zur Uni einen Schokocroissant beim Bäcker – mich selbst habe ich beim Essen vorbereiten irgendwie vergessen.

8.15 Uhr Seminarbeginn

10.00 Uhr treffe ich wieder zu Hause ein.

10.05 Uhr Ich schmeiße die erste Waschmaschine des Tages an.

10.15 Uhr Ich mache mir Pfannkuchen und begehe dann den Fehler mich vor den Fernseher zu setzen, denn dort sitze ich mich nun eine ordentliche Weile fest.

11.40 Uhr Ich gehe in die Küche und stelle fest, dass die Geschirrspülmaschine immer noch nicht ausgeräumt ist (woher auch?) und fange stattdessen an unser Bett abzuziehen.

11.45 Uhr Ich schaue kurz in das offene Dokument, das wir gestern für einen Forschungsbericht erstellt haben und versuche meinem Komillitonen ein halbwegs hilfreiches Feedback zu geben.

11.50 Uhr Ich ziehe die Betten der Kinder ab

11.52 Uhr Ich schmeiße alles einfach auf einen riesigen Haufen im Bad. Die Maschine läuft noch.

12.00 Uhr Die erste Wäsche ist fertig. Alle Wäschekörbe sind mit sauberer Wäsche belegt.

12.01 Uhr Ich kippe alles auf einen Haufen.

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12.02 Uhr Ich habe jetzt wieder einen Korb frei und befülle ihn mit der nassen Wäsche und die Waschmaschine mit der Bettwäsche. Waschmittel ist alle, Wollwaschmittel muss auch reichen.

12.05 Uhr Ich gehe auf’s Dach und hänge die Wäsche in der Sonne auf. Würde am liebsten dort sitzen bleiben.

12.10 Uhr Ich habe keine Lust auf den (sauberen) Wäscheberg und beginne lieber damit die Küche in Ordnung zu bringen.

12.28 Uhr Ich sitze lustlos vor meinem Wäscheberg und schalte den Fernseher wieder ein.

13.11 Uhr Die Wäsche ist fertig einsortiert, Zeit die zweite Ladung Wäsche auf’s Dach zu bringen.

13.25 Uhr ich entschließe mich noch für ein kurzes Workout.

14.06 Uhr frisch geduscht starte ich in eine kurze Yoga-Session, bevor ich nochmal los muss. Heute ist mein Freund dran die Kinder abzuholen.

14.18 Uhr Ich mache mich im Eiltempo fertig, schaufele mir noch schnell etwas meines soeben gemachten Quarks rein, den Rest packe ich ein.

14.45 Uhr Ich mache mich auf den Weg zur Bib.

16.05 Ich verlasse die Bibliothek nach einer kurzen Snackpause wieder, bin müde und habe keine Lust mehr, dabei fängt mein Tag jetzt erst richtig an.

16.15 Uhr Vorlesungsbeginn. Ich würde jetzt viel lieber mit meinen Lieben in der Sonne picknicken.

17.45 Uhr Ich begebe mich auf den Weg Richtung Kindergarten und muss zugeben, dass es doch etwas gewagt war gänzlich ohne Jacke das Haus zu verlassen, stelle aber ebenso fest, dass der Frühling nun auch an den Bäumen und auf den Wiesen angekommen ist und bekomme automatisch gute Laune

18.10 Uhr Ich komme (natürlich zu spät) beim Elternabend an

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19.30 Uhr bin ich wieder daheim und begebe mich unverzüglich auf’s Dach zu

meiner erfreulicherweise getrockneten Wäsche, befülle wieder meine Wäschekörbe und genieße noch die letzten Sonnenstrahlen.

Morgen ist Frühjahrsputz angesagt, also mache ich heute nicht mehr viel außer Betten beziehen und meinem Liebsten etwas Leckeres für den morgigen Tag vorzubereiten. 🙂

Ich werde Einträge dieser Art nun öfter machen.

1. Macht es mir super viel Spaß

2. Lese ich selbst gern solche Beiträge

3. Schaffe ich drei mal so viel, wenn ich festhalte was ich tue

4. Weiß ich am Ende des Tages, was ich getan habe

5. Kann ich meinen Blog so ganz nebenbei am Leben erhalten, da ich einfach über den Tag verteilt schreiben kann.

In diesem Sinne, freut euch drauf (oder auch nicht), ich tue es jedenfalls. 🙂

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„Ich bin eine Prinzessin“ oder: auch Mamas machen Fehler

Leben als Mama

„Ich heiße nicht Amelie. Ich bin eine Prinzessin….aber du kannst auch Amelie zu mir sagen. Ich bin ja gar keine richtige Prinzessin, ich hab doch keine Krone.“

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Einsicht ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung, denn aktuell könnte man wirklich meinen, dass sie glaubt eine Prinzessin zu sein, als müsste man ihr die Schuh küssen.
Das Alter einer vierjährigen ist wirklich cool. Außer man gehört zu den Personen, die sie erziehen müssen. Meine Tochter und ich geraten derzeit regelmäßig aneinander und das ziemlich arg. Das liegt daran, dass sie charakterlich ebenso viel von mir mitbekommen hat, wie sie es nicht hat. Das heißt, sie ist sehr ungeduldig und temperamentvoll, das bin ich auch. Dazu ist sie aber auch noch ein sehr lautes, aufgewecktes Mädchen mit Hummeln im Hintern. Das bin ich absolut nicht. Die Kombination aus beidem macht es schwierig, denn ich komme bei ihrer Energie nicht hinterher und das frustriert sie (und mich auch). Und wenn sie frustriert ist, wird sie frech. Wenn sie frech wird, werde ich sauer. Wenn ich sauer werde, wird sie bockig. Und wenn sie bockig wird, wird sie laut, hysterisch und einfach nur zum an die Wand klatschen. Und wenn sie laut, hysterisch und zum an die Wand klatschen wird, werde ich ebenfalls laut, hysterisch und zum an die Wand klatschen. Das wiederum frustriert sie und wenn sie frustriert UND bockig ist, fliegen Sachen durch das Zimmer, werden Möbel verschoben und gebrüllt, geschrien und ins Kissen gebissen (wenigstens nicht mehr sich selbst). Und obwohl ich mich in ihre Gefühlslage sehr gut hinein versetzen kann, denn mir geht es in dem Moment ja ganz genau so, geht es mir tierisch auf die Nerven und macht meinen Geduldsfaden nicht gerade stärker. Das Theater ist erst vorbei, wenn einer nachgibt und das bin meistens ich, weil sie mir irgendwie leid tut, denn ich kenne ihr Gefühl ja nur zu gut. Ich sehe mich in klein da vor mir stehen. Ich weiß, dass sie da allein nicht wieder raus kommt.

Manchmal weiß ich schon gar nicht mehr, wer von uns beiden hier eigentlich „das Problem“ ist, denn schließlich verstehen Kinder nicht, dass ein Tag nicht für sich allein steht oder gar eine Situation. Wenn das schon seit Tagen so geht, dann bin ich am nächsten Tag nicht mehr genau so geduldig wie an Tag 0, sondern habe noch die letzten Tage in den Knochen. Da ist der umgekippte Kakao kein Maleur mehr, sondern ein Resultat daraus, dass sie einfach nicht darauf hören kann, wenn ich ihr hundert Mal sage, sie solle sich bitte nur auf den Stuhl neben mich stellen und nicht auf der Arbeitsplatte sitzen. Natürlich ist es rein objektiv betrachtet ein Versehen, wenn beim umdrehen der Ellenbogen den heißen Kakaobecher rammt. Natürlich hätte auch ich einfach besser aufpassen können und natürlich sollte ich in dem Moment Mitleid haben, denn heißer Kakao am Popo tut sicher genau so weh, wie sie gerade behauptet. In der Realität ist es aber nunmal auch das Ergebnis daraus, dass sie nicht auf mich gehört hat – wieder einmal. Und wenn das schon mindestens die 10. Situation in den letzten 24 Stunden ist, dann brauche ich sicher nicht zu erläutern, welches Gefühl hier Überhand nimmt – das Mitgefühl oder der Frust. Und natürlich weiß ich fünf Minuten später auch, dass ich gerade vielleicht etwas – also sehr – überreagiert habe. Dass ich auch einfach hätte sagen können, dass es nicht so schlimm ist und dass das mal passieren kann. Dass ich ihrem heißen Popo wenigstens einen Puster hätte abgeben können und dass ich ihr einfach eine neuen Kakao hätte machen können. Das hilft nur jetzt leider nichts mehr, denn nun sitzt sie ja schon weinend, frustriert und ihr Zimmer verwüstend nebenan. Klar, gehe ich zu ihr hin und entschuldige mich, erkläre ihr, was das Problem war und dass sie sich auch einfach hätte entschuldigen können und mich lieb hätte fragen können, ob ich ihr einen neuen Kakao mache, anstatt hysterisch los zu schreien, als ich ihren Kakao in den ausgekippten Becher ihrer kleinen Schwester umfüllte (denn die saß brav am Tisch und wartete bis das Frühstück fertig war). Natürlich tue ich das, natürlich vertragen wir uns und natürlich essen wir danach zusammen Frühstück (mit neuem Kakao, der übrigens nicht einmal getrunken wurde…) als wäre nichts gewesen, denn Kinder sind nicht nachtragend. Und dennoch beschäftigt es mich. Es ärgert mich, dass ich überreagiert habe, dass ich nicht geduldig sein konnte. Meine Tochter traf es, ebenso wie mit ihrem Prinzessinnen-Kommentar, bei einem sehr zähen Gang die Treppe hinauf ganz gut auf den Kopf: Dass du auch nicht mal geduldig sein kannst, Mama. Zugegeben, da musste ich lachen und ihr recht geben. Aber ich bemühe mich wirklich sehr, auch wenn es manchmal vielleicht nicht so aussieht.

Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm.
Weder bin ich weit gefallen, noch ist sie es.

 

„So schläft dein Kind durch“

Leben als Mama

Ich habe vor einigen Tagen wieder einmal einen Artikel oder besser eine Artikelüberschrift – denn ich lese solche Artikel nicht mehr – gelesen, die lautete: So schläft dein Kind in nur zwei Wochen durch. Die Einleitung begann mit Ich möchte allen übermüdeten Müttern helfen, wie ich es geschafft habe, dass mein Kind durchschläft. In diesem Satz sind schon bereits zwei Fehler: ich und mein Kind, denn dein Kind ist nicht mein Kind und ich bin nicht du.

Ich würde manchmal auch gern ein Buch zu diesem Thema veröffentlichen. Dieses Buch hätte dann genau drei Seiten.

Seite 1

Für alle Muttis,
die ein Patentrezept für den Schlaf ihres Babys suchen

 

Seite 2

Das gibt es nicht!

Seite 3

Tipps:

1. DURCHHALTEN
2. Vergleiche dein Kind nicht mit anderen
3. Vergleiche dich nicht mit anderen
4. Hör auf dein Bauchgefühl
5. Geduld

In der Autorenbeschreibung würde dann etwas stehen, wie: Die Autorin ist selbst zweifache Mama von einem Kind, das bereits mit 8 Wochen durch geschlafen hat und mit drei Monaten um 19 Uhr alleine einschlief um bis zum nächsten Morgen um neun (oder länger) zu schlafen und von einem Kind, das nirgendwo anders als auf Mamas Bauch geschlafen hat, weder tags noch nachts und das bei exakt derselben (jedenfalls zu Beginn versuchten) Einschlaf-Methode. Beide Kinder sind übrigens kerngesund, glücklich und schlafen heute überwiegend durch.

Dieses Buch würde niemand kaufen, denn wer will das in so einer Situation schon hören? Es ist aber zusammengefasst genau die Botschaft des einzigen Buches, das ich zu diesem Thema jemals gelesen habe:  Schlaf gut, Baby! von Dr. med. Herbert Renz-Polster und Nora Imlau. (Jedes Kind kann schlafen lernen steht genau daneben, wurde aber noch nicht einmal aufgeschlagen) Dieses Buch kann ich allen Muttis empfehlen, die keine Anleitungen haben wollen, sondern nur ein bisschen Mut und Anregung brauchen. Dieses Buch war ausschlaggebend für mich, dass ich mich nach 8 Monaten Einschlafkampf à la mein Baby muss unbedingt in seinem Bett einschlafen, sonst lernt es das nie, dafür entschieden habe meine Kleine im Tragesack in den Schlaf zu tragen. Für uns war das die perfekte Lösung. Ich konnte in Ruhe die Große ins Bett bringen, während mein Freund mit der Kleinen auf dem Rücken auf dem Gymnastikball-hüpfend xbox spielen und auf dem Dach in der Sonne entspannen konnte. Oder ich konnte schonmal den Abwasch erledigen, die Küche aufräumen, die Wäsche aufhängen, während sie irgendwann friedlich auf meinem Rücken einschlief.  Sie hat sich nur knapp drei bis vier Monate später selbst entschieden, dass es ihr zu eng in dem Tragesack ist. Klingt alles toll? Ja, für uns war es das Richtige. Ich möchte hier aber natürlich auch nicht unerwähnt lassen, dass sie noch immer nicht alleine einschläft und noch mindestens zwei Mal in der Woche nachts in unser Bett wechselt. Aber für uns ist das okay so. Der Zeitpunkt kommt, wo es sich richtig anfühlen wird sie alleine einschlafen zu lassen. Ich stehe kurz davor 😉
Jedes Kind, jedes Elternpaar und jede Situation ist anders und man muss einfach ausprobieren, was dem Kind und einem selbst gut tut und das weiß jeder selbst am besten. Kein Ratgeber, keine andere Mutti der Welt!
Stand jetzt würde ich sagen: Das mach ich beim nächsten Kind ganz genau so. Nur was ist, wenn mein Baby den Tragesack gar nicht mag? Lieber alleine einschläft? Oder nur kopfüber bei Vollmond?

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Das war schön

Leben als Mama, Persönliches

Ich schaute heute Morgen um 7.02Uhr auf die Uhr und staunte doch sehr, denn nebenan war noch alles totenstill. Ich lag eine Weile noch im Bett und wartete, während ich rechnete und irgendwann feststellte, dass das ganz schon spät wird mit Kindergarten, wenn das so weitergeht. Nach zwanzig Minuten entschied ich mich wenigstens schonmal duschen zu gehen, danach konnte ich mich ja immer noch wieder ins Bett legen und zumindest für die Kinder so tun, als schliefe ich noch. Nach der Dusche war es immer noch totenstill, also beschloss ich mich auch schonmal fertig zu machen und anzuziehen. Ich schaffte das tatsächlich alles ohne erwischt zu werden. Erst als ich wieder ins Bett kroch hörte ich durch das Babyphon die Mädels nebenan quatschen. „Komm, wir holen Papa und sagen, dass du ins Bett gepullert hast, ja?“ Aha, immerhin hatte sie nicht vergessen, dass ich an diesem Morgen nicht zuständig war. Mein Freund fühlte sich auch sofort verantwortlich und stand auf. Nebenan in der Küche hörte ich die Kinder dann schon singen „Es schneit, es schneit. Kommt alle aus dem Haus. Die Welt, die Welt, kommt alle aus dem Haus“ Yey, nix mit weiße Weihnacht, dafür weißer Geburtstag. Hatte ich so auch noch nie. Bei meinem Geburtstagsständchen hat dann allerdings keiner mehr gesungen außer meinem Freund. Die Kinder rissen mir förmlich die Geschenke aus der Hand und wir hatten große Mühe, die Kleine davon abzuhalten nicht direkt alle Smarties auf einmal in den Mund zu stopfen.
Wir haben gemütlich gefrühstückt und im Kindergarten waren die beiden tatsächlich erst um halb zehn, aber da stört das ja noch niemanden. Der Vormittag mit meinem Liebsten war dann wirklich schön, obwohl wir nicht großartig viel getan haben. Ich habe  morgens noch einen Amtsgang erledigt, schonmal angefangen unsere ganze Zettelwirtschaft an Rezepten in mein neues Rezeptbuch einzutragen, den üblichen Haushaltskram erledigt und das war es dann auch schon an heutiger Aktivität… aber es war sehr entspannt und harmonisch und dadurch trotzdem sehr schön. Gerade im Kontrast zu dem Nachmittag mit den Kindern, die leider so gar kein Verständnis dafür hatten, dass Mama heute Geburtstag hat und gerne einen harmonischen Tag verbringen möchte. Die Mädels, insbesondere die Große waren heute (um es in den Worten meines Papas zu sagen, denn der brachte es damit eindeutig auf den Punkt) richtige Kacklappen. (Entschuldige, ich liebe euch trotzdem!) Dennoch empfinde ich diesen Tag im Gesamtpaket als einen sehr schönen Tag und in Anbetracht der Tatsache, dass wir nun einen entspannten Abend zu zweit verbringen, bin ich mir sicher, dass sich das in den letzten Stunden auch nicht mehr ändern wird. Das war also ein gelungener Geburtstag und aufgerundet wird erst ab nächstem Jahr. 🙂
Achja und der Kuchen war übrigens sehr lecker und sah nach Bearbeitung auch aus, wie ein Gugelhupf, ein richtig schöner Gugelhupf sogar. 

Mama hat Geburtstag

Leben als Mama

„Mama, fahren wir heute zu Omi und Opi?“
„Nein, am Wochenende… noch vier mal schlafen.“
„Und noch einmal schlafen und dann hast du Geburtstaaaag. Hast du denn auch schon was vorbereitet? Du musst doch noch Kuchen backen.“

Mama bereitet für alle Geburtstage etwas vor. Für die Kinder, für Papa, für Opa, also logischerweise auch für ihren eigenen, oder nicht? Ich glaube, sie hat das Prinzip noch nicht so ganz verstanden.

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So sah das gute Stück übrigens nach dem Backen aus. Ja, das ist ein Gugelhupf und nein, mein Freund backt sonst nicht. Genau genommen einmal im Jahr zu meinem Geburtstag. 🙂

Naja, zumindest hat sie, nach der ihr einleuchtenden Gegenfrage, ob sie sich denn auch ihren eigenen Geburtstagskuchen backt („Nee, ich kann das doch noch nicht alleine, Mama“), heute Nachmittag mit Papa meinen Geburtstagskuchen gebacken und mir noch von ihrem Taschengeld eine Packung Smarties gekauft, da die bei dem Einkauf heute Morgen leider ausverkauft waren. Und Geburtstag ohne Smarties? Geht in dieser Familie gar nicht. Letztes Jahr vergaß mein Freund das (die Tradition kommt aus meiner Familie) und sie stand ganz empört vor dem Geburtstagstisch „Wo sind denn die Smarties? Hat Papa die vergessen?“. Das passiert ihm nie wieder. Auch als er nachmittags extra los fuhr um noch welche zu kaufen, half das nicht. Es müssen die großen sein und nicht die kleinen. Auch das vergisst er nie wieder.

Ehrlich gesagt mag ich meinen Geburtstag nicht mehr besonders seit ich zu Hause ausgezogen bin. Oder seit ich Mutter bin?! Der erste Geburtstag in meinen eigenen vier Wänden war auch der erste als Mama. Meine Familie und auch mein Freund geben sich wirklich große Mühe die Erwartungen, die ich an meinen Geburtstag habe, zu erfüllen:

An dem ersten Geburtstag als Mama kamen mein Vater, dessen Frau und meine Schwester extra morgens zu uns in die Wohnung (damals noch dicht bei) um mich zu wecken, wie ich es von daheim gewohnt war. An dem zweiten Geburtstag als Mutter waren wir bereits weit entfernt und daher schickte mein Vater mir unseren traditionellen Geburtstagskuchen per Post und auch mein Freund versuchte sich an einem Kuchen und wir verbrachten einen wunderbaren Tag zu dritt, wenn auch im Regen. Mein dritter Geburtstag als Mama und erster als zweifache Mama war ein Grauen. Da ich wie auch dieses Jahr um Ostern herum Geburtstag hatte, waren wir bei meinen Schwiegereltern und dank meiner Kleinen, die zu dem Zeitpunkt nicht all zu viel Wert auf Schlaf legte, tigerte ich bereits früh morgens alleine durch deren Wohnung und wir stritten bereits am Morgen, weil wir zu spät zum Osterfrühstück kamen (zu dem sowieso keiner von uns hin wollte). Zugegeben an dem Tag bekam ich den Laptop auf dem ich gerade diesen Eintrag schreibe und der ist gold wert! (Der Laptop, nicht der Beitrag) Im letzten Jahr lief es dann wieder besser, ich bekam mein morgendliches Happy Birthday am Bett und einen Überraschungsbesuch meiner Ma und meiner Schwester, die extra für den einen Tag die je 300km anreisten!

Also wie ihr seht, kann ich mich über mangelnde Aufmerksamkeit und Fürsorge an meinem Ehrentag nicht wirklich beschweren, aber irgendwie graut es mir trotzdem jedes Jahr wieder davor. Ich hoffe das wird irgendwann wieder besser oder vielleicht gewöhne ich mich irgendwann auch einfach daran erwachsen zu sein. Ein par Jahre habe ich ja noch. 🙂

 

Die Erkenntnis

Persönliches

Ich habe gerade etwas verstanden. Etwas, das ich schon sehr oft verstanden habe, aber gerne mal wieder vergesse. Ich vergesse es nicht zuletzt deswegen, weil mein Freund es selbst vergisst. Seine Depressionen. Depressionen sind nicht heilbar. Behandelbar, aber nicht heilbar. In Anbetracht der Tatsache, dass mein Freund sie nicht einmal ernsthaft hat behandeln lassen oder es aktuell tut, liegt natürlich nahe, dass die Depressionen nach wie vor ein Teil seiner Person sind – und auch bleiben werden. Sie werden es immer bleiben und das gilt es zu verstehen. Für ihn und für mich. Und ich glaube, wenn er das versteht, dann kann ich es auch besser verstehen. Ich hoffe, dass ich irgendwann lernen kann damit umzugehen – besser als jetzt meine ich. Es ist nicht mehr akut, aber es ist noch da und ich wünsche mir, dass er das auch erkennt, denn dann könnte man darüber sprechen. Jetzt darf ich das Wort Depressionen nicht einmal in den Mund nehmen. Ach, hör mir auf damit. Das ist durch. Das wäre schön.
Nach meinem Gefühlschaos der letzten Tage, das ich hier offen gelegt habe, wollte ich auch diese Erkenntnis nicht ungenannt lassen. Kurz, aber knackig. Diese Erkenntnis hilft mir. Sie hilft mir zu wissen, dass ich mich wieder einmal richtig entschieden habe. Jemanden mit Depressionen zu lieben, ist nicht einfach. Aber möglich.

Danke an Monsterherz für deine Texte und Einblicke. Diese Erkenntnis verdanke ich dir. Auf dass sie ein wenig halten möge.

Mein Kampf gegen die Übermuttis

Leben als Mama

Ich bin, jedenfalls im Kindergartenbereich, die mit Abstand jüngste Mama in der Einrichtung. Insgesamt bin ich auch die jüngste, aber vielleicht nicht mehr mit Abstand. Eigentlich stört mich das nicht, denn ich fühle mich dadurch nicht anders, aber seit geraumer Zeit habe ich das Gefühl, dass es andere stört bzw mein „Erziehungsstil“ aneckt und dieser wiederum in die „ach die ist doch viel zu jung“-Schublade gestopft wird. Es gab schon immer beide Seiten der Medaille, was die Meinung zu meiner recht entspannten Erziehungs-Haltung betrifft. Die einen bewundern, die anderen verachten mich. Ich erinnere mich noch an das erste Sommerfest, da war meine Große etwa eineinhalb. Sie hatte sich, anstatt mit mir gemeinsam die extra für sie gekaufte Bratwurst zu essen, die Gabel geschnappt und begann irgendwo abseits den Sand zu löffeln. Ein Vater kam zu mir und machte mich darauf aufmerksam. Nicht, dass ich es nicht gesehen hätte, aber wenn es nicht gerade Kilos sind (wie meine Kleine das mit Begeisterung tat) bin ich der Meinung, dass Kinder ruhig selber merken können, dass das nicht schmeckt. (Der Plan ging bei der Kleinen nicht auf, sie mochte den Sand aus mir unerklärlichen Gründen ziemlich gern.) Ich kann schließlich tausendmal sagen die Herdplatte ist heiß. Es bringt ihnen erst dann etwas, wenn sie wissen, was heiß überhaupt ist. Ebenso verhält es sich doch mit dem wunderbaren Gefühl von kleinen Sandkörnchen, die zwischen den Zähnen knirschen, mhmmm… ihr kennt das. Warum? Weil ihr’s ausprobiert habt. Es gab noch weitere solcher Situationen, zum Beispiel wenn meine Kleine sich ohne Ende Trinken eingoss und damit alles überschwemmte während ich gerade damit beschäftigt war die Große einzufangen. Ich besitze leider nur bedingt die Fähigkeit beide gleichzeitig in Schach zu halten. Ich könnte sie auch beide permanent zur Sau machen, bis sie beide heulend vor mir sitzen und zu allem ja und amen sagen oder halt bockend in der Ecke liegen. Mach ich aber nicht. Ich bevorzuge den nassen Fußboden und entspannte Kinder beim anziehen. Im Übrigen würde bekomme ich für beides einen schiefen Blick. Wie dem auch sei, bisher hat mich das nie so gestört.

Als meine Kleine allerdings in ihren ersten Kitamonaten mehrfach von einem älteren Kind in ihrer Gruppe ins Gesicht gebissen wurde (und damit bei weitem nicht das einzige, sondern nur das am schlimmsten betroffene Kind war) und wir letztendlich bis zum Jugendamt gehen mussten, damit die Kitaleitung wirksame Änderungen vornimmt (die im übrigen nicht funktioniert haben, sondern nur das besagte Kind aus der Gruppe unserer Tochter genommen wurde), entschied ich mich bei der nächsten Elternratswahl ein Teil davon werden zu wollen, um dichter am internen Geschehen zu sein. Und damit begann das Drama.
Ich war nun also mittendrin in der umkreisenden, überbesorgten, mein-Kind-ist-alles-Elternschar. Ich war auf einmal Teil der Planung von irgendwelchen Festen, obwohl ich eigentlich zu den Eltern gehöre, die nicht einmal gerne dort hingehen, weil man meistens sowieso nur stundenlang in der Ecke sitzt und die Kinder (jedenfalls meine) einen keines Blickes würdigen bis man ihnen den Spaß verdirbt und sagt, wir gehen jetzt nach Hause. Ich hörte mir an, wie darüber gestritten wurde, dass das Essen zu ungesund sei, während gleichzeitig bemängelt wurde, dass es zu wenig typisches Kinderessen à la Pfannkuchen und Co. gäbe. Und Kuchen zum Kaffee ginge ja mal gar nicht. (Was denn sonst?!) Und dann natürlich noch die ganzen Gespräche über Anton hat Karl Gustav eins mit der Schippe über gezogen und Frau Meyer hat’s nicht gesehen. WIESO? Wieso hat sie bei einem Betreuungsschlüssel von 12 Kindern auf einen Erzieher nicht jede Sekunde jedes einzelne Kind im Blick? Unmöglich diese Frau.
Versteht mich nicht falsch. Der Elternrat an sich ist eine tolle Sache, was Unterstützung der Erzieher angeht z.B. eben bei diesen Festen oder sonstiges. Und natürlich ist es auch nicht schlecht, wenn die Eltern ihre Interessen und Wahrnehmungen mit einbringen, aber hin und wieder frage ich mich, ob hier nicht ausschließlich im Interesse der Eltern gehandelt wird, obwohl es doch eigentlich um das Interesse der Kinder gehen sollte. Es wird so vieles bemängelt, wo ich einfach nur glückliche Kinder sehe.
Natürlich ist es nicht schön, wenn Anton den Karl Gustav haut, aber vielleicht hat Karl Gustav ja zuvor die Hand voll Sand geschmissen. Und man kann nicht erwarten, dass Erzieher zu jedem Zeitpunkt überall ihre Augen haben. Anders verhält es sich dahingegen mit Situationen wie beispielsweise dem „Beißerkind“, welches, aufgrund des Wissens, dass dieses Aggressionen hat, unter keinen Umständen aus den Augen gelassen werden darf. Dass das nicht umsetzbar für einen Erzieher ist, ist aber auch klar, daher wäre es (meines Erachtens nach) in dem Fall, nach mehrfacher missglückter Intervention, auch notwendig gewesen, dieses Kind aus der Kita zu verbannen, im Interesse aller Beteiligten. Aber das ist eine andere Geschichte, sie sind mittlerweile freiwillig weggezogen. Ein weiteres Beispiel bezüglich der Aufsichtspflicht betrifft ebenfalls uns, nur in diesem Falle leider als „Täter“. Dieser Vorfall ist dann nämlich sowohl der Gipfel als auch der Beginn meiner aktuellen Wahrnehmung. Es begab sich an einem Freitag, dass ich die Große aus dem Kindergarten abholte, sie weinend abseits auf einem Stuhl saß und mir gesagt wurde, sie sei aus dem Spiel genommen worden, weil sie zuvor einem Krippenkind auf den Kopf getreten habe. Wieso warum wissen sie nicht, sie habe nichts dazu gesagt. Soweit so gut, erster Schock und dann sprach ich mit ihr. Sie erklärte mir das alles und das erste Bild des „mein Kind ist ein U-Bahn Schläger“ verblasste. Bis ich am nächsten Tag (einen Tag vor ihrem Geburtstag) von einer dieser besagten Übermuttis angerufen wurde, weil sie (angeblich) die ganze Nacht nicht schlafen konnte, denn sie habe alles gesehen. Nach ihrer ausführlichen Schilderung, war das U-Bahn Schläger-Bild wieder präsent und unsere Tochter hatte uns angelogen und wir fragten uns natürlich, was zur Hölle mit unserem Kind los ist. Wir konnten uns das partout nicht erklären, denn zu Hause war zu dem Zeitpunkt alles harmonischer denn je. Die Erzieher beruhigten uns nach diesem Horrorwochenende und leider auch etwas verdorbenen Geburtstag, dass das nicht so dramatisch gewesen sei und wir uns keinen Kopf machen sollten, Kinder sehen das nicht so drastisch und schon gar nicht bösartig, wie wir Erwachsenen. Was denn nun stimmt und was nicht, kann ich leider nicht beurteilen, denn ich war ja nicht dabei. Aber seitdem oder seit dieser Zeit kommt es wiederholt zu Vorfällen bei denen ich von anderen Müttern angesprochen werde, meine Tochter hätte das und das getan. Jedes Mal, wenn ich das entsprechende Thema bei den Erziehern anspreche gucken die mich nur völlig verdutzt an und sagen mir, dass es absolut nicht so schlimm sei, dass sie die Notwendigkeit gesehen hätten mich darüber zu informieren und das das „betroffene“ Kind auch nicht so ganz unschuldig an solchen Situationen sei. Also ein typischer Fall von „Mein Kind ist ein Engel“. Wenn ich alle Eltern darauf ansprechen würde, was ihr Kind nach den Worten meines Kindes alles getan hat, na herzlichen Glühstrumpf… Mal davon ab, was soll ich denn zu Hause eine Woche später da noch machen?! Tja, jedenfalls wird meine Tochter seitdem auch nicht mehr zu den Geburtstagen ihrer eigentlich besten Freunde eingeladen und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht per se etwas mit ihr, sondern eher mit uns zutun hat. Beziehungsweise mit dem Fehler, dass ich mich einmal in diese Schar begeben habe, obwohl ich da überhaupt nicht hingehöre. Ich dachte ich könnte etwas bewirken und mal etwas Neutralität hineinbringen, aber alleine habe ich da keine Chance und leider habe ich mich vorübergehend auch eher davon anstecken lassen. Nur, dass das bei mir irgendwie nach hinten losging.

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Mein Fazit also: Ich bin keine Übermutti, ich werde es nie sein und ich will es auch gar nicht sein. Meine Eltern waren auch nicht so, Feste im Kindergarten gab es damals sowieso noch nicht und zu Elterngesprächen in der Schule sind sie auch nur einmal gegangen, weil sie ein schlechtes Gewissen hatten, dass alle anderen das alle halbe Jahr machen und sie nicht. Mein Vater hat sich einmal als Vorsitzender wählen lassen, um die Elternabende selbst übernehmen und damit verkürzen zu können und es hat mir nicht geschadet, im Gegenteil: ich hatte mein eigenes Leben und das war gut so.
Meine Kinder sind zwei aufgeweckte, glückliche und ja manchmal auch etwas freche (leider) sehr laute Kinder. Aber ich weiß, dass ich mir bei weitem nicht vorwerfen lassen muss, ich könnte meine Kinder nicht erziehen. Ich traue ihnen zu alleine irgendwo hoch zu klettern (während andere Eltern bereits einen Herzinfarkt erleiden), ich traue ihnen auch zu sich mal alleine zu beschäftigen, sicher auch weil ich manchmal einfach keine Lust habe, ja und meine Kinder bekommen auch mal mit, wenn etwas nicht so läuft. Das ist etwas an dem ich auf jeden Fall arbeiten möchte. Aber wenn ich auf eines Wert lege, dann ist es gutes Benehmen. Respekt anderen gegenüber. Das ist für mich das wichtigste. Wenn ich meine Erziehung mit drei Worten beschreiben müsste, dann wäre es Respekt und Vertrauen und immer und überall grenzenlose Liebe.

Mir steht gleich im Kindergarten noch das halbjährliche Entwicklungsgespräch meiner Großen bevor. Yey.

 

Explosionen

Persönliches

Was es braucht sind Explosionen. Keine richtigen versteht sich, die sind scheiße. Aber in meinem Leben brauche ich Explosionen. Ich bin die Sorte Mensch, die alles in einen Topf schmeißt bis er überläuft. Der Zutaten zusammen schmeißt, die nicht zusammenpassen und die dann explodieren. Jemand der vergisst rechtzeitig etwas von dem Gift wieder aus dem Topf zu holen und solange wartet bis es sich ausbreitet. Gestern war so eine Explosion und zwar nicht nur im übertragenen Sinne, sondern eine Explosion meiner Tränenspeicher. Nicht, dass objektiv betrachtet jetzt etwas anders wäre als vorher, aber meine Einstellung ist es. Warum? Keine Ahnung. Das ist bei mir so. Ich weine alles raus und am nächsten Tag mache ich weiter, als wäre nichts gewesen. Ein par Tränen reichen dafür aber nicht aus. Es muss wirklich eine dieser Explosionen sein. Die bringen mich weiter.

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Ebenso wie es diese Tage gibt an denen ich meinen Freund angucke und denke Was zur Hölle mach ich hier eigentlich noch? (gestern Abend) gibt es genau so die Tage an denen ich ihn angucke und denke Das ist für immer (heute Morgen). Ist das verrückt? Paradox? Ja, ist es. Aber ich schätze das macht unsere Beziehung irgendwie aus. In einem unserer Gespräche sagte er „Das Problem ist, dass wir aufgehört haben zu streiten. Früher sind regelmäßig Türen geknallt und Dinge durch den Raum geflogen, jetzt nicht mehr. Seitdem läuft’s nicht mehr.“ Das schien eigentlich ja ganz gut zu sein (Vorbildfunktion undso), aber vielleicht liegt genau da das Problem.

Nachdem meine Eltern sich trennten, dachte ich, dass ich aus ihren Fehlern lernen werde, dass ich nicht die gleichen Fehler mache. Das ist aber gar nicht so leicht. Ich weiß, dass meine Eltern nicht gestritten haben und dass meine Mama stillschweigend unzufrieden war (mein Papa eigentlich auch). Ich war sauer auf meine Mutter, dass sie gegangen ist, heute kann ich sie verstehen. Ich verstehe, was sie gefühlt hat und warum sie so gehandelt hat, wie sie gehandelt hat (jedenfalls teilweise). Ich verstehe auch, warum es schwer fallen kann zu reden, ich kann das nämlich auch nicht gut. Ich verstehe auch, warum sie am Ende kaum noch zu Hause war oder immer nur dann, wenn mein Papa es nicht war. Ich verstehe das alles und trotzdem hat es etwas in mir hinterlassen. Die Kindheit erscheint im Nachhinein wie eine Lüge und die Erinnerungen daran sind irgendwie manipuliert. Man kann die Familie nicht mehr so sehen, wie sie damals war, wie sie sich angefühlt hat. Man kann sich nicht mehr daran erinnern, wie es war mit Mama und Papa an einem Tisch. Eine Trennung mit Kindern ist also nicht nur mit kleinen Kindern scheiße, sondern auch später noch und ich habe das meiner Mama lange Zeit übel genommen. Heute weiß ich, sie hat es für ihr eigenes Glück getan und rein objektiv betrachtet war es für beide Partien sicher auch das beste so. Die letztendliche Entscheidung die Familie aufzugeben für sein eigenes Wohlergehen ist nie leicht, das überlegt man sich doppelt und dreifach und dann noch fünfmal. Meiner Meinung nach jedenfalls. Wenn ich mich  im Kindergarten so umschaue, scheint das jedoch keine allgemeine Sicht zu sein. Ich sehe ein Elternpaar nach dem anderen auseinanderbrechen und frage mich ob ich wirklich dazugehören will. Zu denjenigen, die aufgeben. Dass sich so viele trennen, heißt das nicht eigentlich nur, dass es irgendwie bei allen mit kleinen Kindern schwierig ist? Dass Eltern sein halt eine enorme Herausforderung ist bei der das Paar sein auf der Strecke bleibt? Aber was ist mit der Verantwortung, die wir für unsere Kinder tragen? Muss man sich wirklich direkt trennen, nur weil man es heutzutage halt kann?

Ich wollte schon immer anders als die anderen sein. Ich war es irgendwie auch immer, ich gehörte nie so richtig dazu. Und das ist auch immer noch so. Ich weigere mich einfach dagegen sagen zu müssen Ich habe aufgegeben, ich hab’s nicht gepackt, mich zu der Trennungsstatistik zu gesellen. So sehr ich manchmal nach der Freiheit schreie, frage ich mich auch, ob es am Ende nicht vielleicht auch so ist, wie in meinem Beitrag in dem es um das Wochenende allein zu Haus ging? Ich habe mich Ewigkeiten darauf gefreut und es war auch schön, aber zwei Tage haben dann auch gereicht. Ich hatte utopische Vorstellungen davon, wie es sein würde endlich mal wieder ganz für mich allein zu sein, was ich alles machen könnte…. und so toll war es dann gar nicht. Was ist, wenn es gerade genau das gleiche ist? Wenn ich denke, allein wäre alles besser und irgendwie ist es das gar nicht? Meine Kinder haben einen Papa, einen zu dem sie jeden Nachmittag, wenn sie aus dem Kindergarten kommen ins Wohnzimmer laufen und erzählen können, was sie am Tag gemacht haben. Einen, der mit ihnen Labyrinths durch’s Wohnzimmer baut und einen der jeden Abend nochmal ins Bett kommt zum gute Nacht kuscheln – nur bleiben darf er nie, selbst wenn er mal möchte. Sie kennen seine Macken, genau so wie sie meine kennen. Und sie lieben uns ja trotzdem und sie bestehen auch darauf, dass wir uns lieben. Die Kleine besteht immer darauf, dass wenn Papa ihr einen Kuss gibt, ich auch einen bekomme.
Bei diesem Wechselbad der Gefühle komme ich mir manchmal etwas dämlich vor, aber irgendwie ist es genau das, was es ausmacht. Und ich schätze ich werde euch noch öfter damit behelligen. Nicht um zu jammern, sondern um meinen eigenen Kopf mal klar zu kriegen (denn wenn man für andere und nicht nur für sich schreibt merkt man manchmal erst, wie komplex und unsinnig man manchmal denkt) und auch ein klein wenig um meinen Teil Wahrheit beizutragen, denn man neigt ja doch dazu sich die anderen anzugucken und zu glauben, dort sei alles besser.  Wenn man sich dann die ganzen Trennungskinder in der Umgebung anguckt, weiß man: das ist nicht so.
Im Übrigen stammt mein Leitsatz des heutigen Tages, den ich seit heute Morgen nicht mehr aus dem Kopf kriege, aus dem Fische-sind-Freunde-Bekenntnis bei Findet Nemo: Wenn ich etwas an meinem Leben ändern will, muss ich mich zuerst selber ändern.

Ruhe in Frieden

Sonstiges

Ich ging heute Morgen mit den Mädchen in die Stadt. Eigentlich ganz gewöhnlich. Die Große auf dem Fahrrad, die Kleine auf ihrem rosa Tussi-Dreirad und ich wie immer etwas gestresst. Wir brachten 300 meiner 400 Euro H&M-Bestellung zurück zur Post, dann gingen wir weiter zum Blumenladen. Ich wollte trotz Schnee dieses Wochenende den Frühling einläuten und Ostereier bemalen, um damit zumindest in unserer Wohnung dem Winter zu trotzen. Um diese auch dekorativ aufhängen zu können, brauchte ich also noch Zweige – ich habe mich für Weide entschieden. Alles ganz gewöhnlich, nur auf der Bank vor dem Blumenladen war etwas anders. Dort standen ein par Menschen und schauten still auf die Kerzen, Blumen und Fotos, die dort lagen. Noch bevor ich das Foto genauer betrachten konnte, wusste ich was geschehen war.

Auf dieser Bank saß für gewöhnlich ein Obdachloser, bereits seit wir hier wohnen kenne ich ihn und jeder kennt ihn, denn er sitzt immer auf einer der Bänke in der Innenstadt – bevorzugt auf dieser. Er spielte Gitarre, manchmal weinte er. Es war vor knapp zwei Jahren, als meine Große zu ihm hinging und ihm genau dabei zusah. Mir war das in dem Moment unangenehm, denn was soll man schon tun, wenn jemand Fremdes weinend auf einer Bank sitzt. Aber sie winkte ihm zum Abschied zu und er lächelte. Dann hörte er auf zu weinen und begann wieder Gitarre zu spielen. Damals staunte ich über die Kraft eines Kindes. Heute staune ich über die Menschlichkeit. Auch wenn man ja doch irgendwie immer nur an ihm vorbeiging in seinem eigenen Alltag vertieft, so war er doch irgendwie ein Teil dieser Stadt. Heute ist ein Tag an dem ich mir wünsche, dass die Toten doch irgendwie noch ein Weilchen unter uns sind, damit er sehen kann, dass er gar nicht so allein war, wie er sich vielleicht manchmal gefühlt hat. Vielleicht auch nicht, ich weiß es ja nicht.

Wortlos

Persönliches

Es ist 6.03Uhr als ich aus dem Fenster schaue und die Schneebedeckte Straße betrachte. Noch unberührt, früh genug, damit noch kein lautes Streumonstrum die Schönheit zerstört und für all die hektischen „ich muss doch aber pünktlich zur Arbeit kommen“-Menschen freigeräumt hat. Noch so still und einfach wunderschön. Es ist 8.12Uhr, als ich mich aus dem Kindergarten auf den Weg zurück nach Hause mache. Die Straßen sind jetzt braun und matschig, aber es ist trotzdem noch so still. Die Autos fahren langsamer, die Straßen sind gedämpft. Die Wege sind noch nicht frei, alle schleichen durch den Schnee. Nach vorherigem Schneesturm scheint nun die Sonne und lässt das Weiß strahlen. Draußen ist es so still und in meinem Kopf so laut. So laut, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Nach dem Sturm wieder Sonne, nach der Sonne wieder Sturm.
Die Prüfungen sind durch, ich habe wieder Zeit zum leben. Die letzte Klausur konnte ich (Gott sei Dank) nicht mitschreiben, da die Große krank war. Ich hätte sie ohnehin nicht bestanden, da ich nicht lernen konnte. Ich konnte einfach nicht. Mein Kopf war mit allem voll, nur ganz sicher nicht mit Statistik und Inhaltsanalyse. Ich habe versucht zu reden und es hilft einen Moment. Ich habe für einen kurzen Moment das Gefühl, dass ich jetzt etwas ändern kann, dass ich etwas dazu beitragen kann meine Beziehung zu retten. Bis zu dem Augenblick in dem ich mich frage: will ich das überhaupt? Ich bin müde geworden mit der Zeit. Immer das Gleiche, immer wieder von vorne, aber es ging ja doch auch immer wieder bergauf, bevor es wieder bergab ging. All die Zeit in der ich nicht gemerkt habe, dass sich in mir etwas verändert hat. Mit jeder neuen Enttäuschung, mit jedem Frust, mit jeder x-ten Wiederholung des immer gleichen Phänomens, mit jedem Stich ins Herz, mit jeder einsamen Minute neben dir. Und dann, ich weiß nicht mehr wie, – ich glaube es war das Wochenende als ich alleine weg war, weg von hier – stand ich auf einmal da und habe es gemerkt: ich vermisse dich nicht. Genau genommen, will ich nach Hause zu den Kindern, aber dann allein sein. Es ist dieses sträubende Gefühl, dass mich zu Tränen treibt: Ich will allein sein. Nur bin ich nicht allein und ich treffe die Entscheidung nicht allein und auch nicht nur für mich allein. Nein, ich treffe sie für vier Personen, für eine Familie und diese Entscheidung trifft man nicht so einfach und eben auch nicht allein. Und du gehst nicht. Ich muss es tun, wenn ich es will, aber ich kann es nicht, obwohl ich will. Aber manchmal will ich halt auch nicht, weil ich nicht aufgeben will. Vielleicht kann es ja auch wieder besser werden, vielleicht ist das alles ganz normal, vielleicht kommt es wieder. Die Frage ist nur: will ich das? In meinem Kopf drehen sich tausend Gedanken, gleichzeitig herrscht gähnende Leere, Totenstille. Ich denke nicht mehr, ich bin nur noch. Ich sitze da und schaue die Wand an und denke nichts. Und das einzige, was ich denke wenn ich denke, ist: Was will ich (nicht)? Die Antworten passen nicht zusammen, sie streiten sich, sie bringen mich nicht weiter, deswegen denke ich nicht mehr, ich bin nur noch. Ich sitze nur noch da und schaue die Wand an. Zwischendurch versuche ich umzusetzen, was du gesagt hast, einen Schritt nach vorne zu gehen, meinen Teil dazu beizutragen etwas zu verändern, während ich feststelle, dass ich das eigentlich für mich tue, denn du hast Recht, aber darum geht es überhaupt nicht, das ist nicht das Problem. Ich bin nicht das Problem, meine Gefühle sind es (die du nicht verstehen kannst). Ich bin allein hier, es ist totenstill. Alles was ich höre ist das Rauschen des Lüfters meines Laptops und meine tippenden Finger auf der Tastatur und ich fühle mich frei. Bin es aber nicht.

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